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2013-06-05

Gedichte zum Thema Wiegenlieder Teil 3








Clemens Brentano


Wiegenlied

Singet leise, leise, leise,
singt ein flüsternd Wiegenlied;
von dem Monde lernt die Weise, 
der so still am Himmel zieht. 

Singt ein Lied so süß gelinde,
wie die Quellen auf den Kieseln,
wie die Bienen um die Linde
summen, murmeln, flüstern, rieseln


Achim von Arnim 

Wiegenlied im Freyen

Goldne Wiegen schwingen
Und die Mücken singen,
Blumen sind die Wiegen,
Kinder drinnen liegen,
Auf und nieder geht der Wind,
Geht sich warm und geht gelind.

Wie viel Kinder wiegen?
Wie viel soll ich kriegen?
Eins und zwey und dreye,
Und ich zähl auf's neue,
Auf und nieder geht der Wind,
Tausend Blumen wiegt geschwind.

Was zu viel, das ist zu viel,
Und ich frage nicht zum Spiel.

Drüben auf den Aesten wiegen
Sich zwey Aepfel ganz allein
Sich zu mir so freundlich biegen
Röthen ihre Backen klein
Und ich les' in ihren Zügen
Schuldlos Küssen, mein Vergnügen.

Und ich brech mit heiterm Singen
Diese Aepfel mir zum Schmaus
Und aus meinen Wangen dringen
Auch zwey Kinderköpf heraus,
Werd so viele Kinder bringen
Als hier rothe Aepfel hingen.
Arnim/ Knaben Wunderhorn

Wiegenlied

 Höre mein Kindchen, was will ich dir singen,
Aepfel und Birnen soll Vater mitbringen,
Pflaumen, Rosinen und Feigen,
Mein Kindchen soll schlafen und schweigen.

Gustav Theodor Fechner

Wiegenlieder (Aus Wiegenlieder)

Schlaf ein, lieb Kind, schlaf ein!
Die goldnen Engelein
Im Schlafe werden kommen
Zum Kindlein, zu dem frommen.
Lieb Kindlein, schlafe ein!

Ja schlafe ein, mein Kind!
Schon da die Engel sind,
Die wollen dich bewachen,
Die machen dich zu lachen.
Schlaf ein, schlaf ein, mein Kind!

Ja schlaf in goldner Ruh!
Tu Aug’ und Mündchen zu!
Denn willst du still nicht liegen,
Gleich fort die Englein fliegen.
Schlaf, schlaf in goldner Ruh!

Ja schlafe, Kindlein mein!
Und was die Engelein
Im Schlaf dir werden sagen,
Heb’s auf den künft’gen Tagen!
Schlaf, liebes Kindlein mein!

Schlaf still in meinem Schoß!
Auch wenn du erst bist groß,
Kein Englein wird mehr kommen
Zum Kind, dem nicht mehr frommen.
Schlaf still in meinem Schoß!

Nun, Kindlein, gute Nacht!
Die Mutter singt nun sacht,
Freut sich der roten Wänglein,
So lieb hat dich kein Englein.
Lieb Kindlein, gute Nacht.

Christian Morgenstern

Traumliedchen

Träum, Kindlein, träum,
im Garten stehn zwei Bäum.

Der eine, der trägt Sternlein,
der andre Mondenhörnlein.

Da kommt der Wind der Nacht gebraust -
und schüttelt die beiden mit rauher Faust.

Das Mondenhörnleinbäumlein steht,
als wäre gar kein Wind, der weht.

Das Sternenbäumlein aber, ach,
dem fallen zwei Sternlein in den Bach.

Da kommen zwei Fischlein munter -
und schlucken die Sternlein hinunter.

Und hätte es nicht sterngeschnuppt,
so wären sie nicht so schön geschuppt.

Träum, Kindlein, träum,
im Garten stehn zwei Bäum ...

der eine, der trägt Sternlein,
der andre Mondenhörnlein ...

Träum, Kindlein, träum ...

Richard Dehmel

Wiegenlied

Träume, träume, du mein süßes Leben,
von dem Garten, der im Himmel blüht, –
Engel wohnen da und weben
um dein Seelchen deiner Mutter Lied:

Träume, träume, Blüte meiner Liebe,
von der stillen, von der heiligen Nacht,
da die Blume seiner Liebe
diese Welt zum Himmel mir gemacht!

Träume, träume, Knospe meiner Wonne,
von dem Lichte, das die Blume trinkt, –
von der goldnen Himmelssonne,
die der Blüte Deiner Seele winkt!

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