> Gedichte und Zitate für alle: An meine Mutter- deutsche Gedichte Teil 2

2013-07-01

An meine Mutter- deutsche Gedichte Teil 2







Nikolaus Lenau


Die Mutter am Grabe ihres Kindes

Husch! husch! wie braust der kalte Wind
Über beschneite Gräber her!
Unter dem Schnee da liegt mein Kind,
In meinen Armen nicht mehr!


Wie seufzt das Totenkreuz so bang
Vom Sturm geschüttelt hin und her!
Ach! als die Totenglocke klang,
Wie ward der Mutter so schwer!

O weh! nun liegt mein armes Kind
In der Erde tief verscharrt!
Über dem Grabe weht der Wind,
Die Träne zu Eis mir erstarrt!

Der Wangen schöne Röselein
Zerknickte der grause Tod so bald!
Und die holden Äugelein
Sind geschlossen und kalt!

O weh! nun liegt mein armes Kind
In der Erde tief verscharrt!
Über dem Grabe weht der Wind,
Die Träne zu Eis mir erstarrt!
Nikolaus Lenau

Das Kind geboren, die Mutter tot

Die schöne Mutterliebe hat dem Leben
Ein Opfer hier, ein blühend Kind gegeben,
Vertrauend und mit innigstem Verlangen,
Daß alle Götter huldvoll es empfangen;
Doch als sie weihend will den Segen sprechen
In ihres Herzens heißem Überwallen,
Ließ ihre Hand, vor Freude zitternd, fallen
Den Mutterleib, die Opferschale brechen.

Annette von Droste-Hülshoff


An meine Mutter


So gern hätt' ich ein schönes Lied gemacht,
Von deiner Liebe, deiner treuen Weise,
Die Gabe, die für andre immer wacht, 
Hätt' ich so gern geweckt zu deinem Preise.


Doch wie ich auch gesonnen mehr und mehr,
Und wie ich auch die Reime mochte stellen,
Des Herzens Fluten rollten drüber her,
Zerstörten mir des Liedes zarte Wellen.

So nimm die einfach schlichte Gabe hin,
Vom einfach ungeschmückten Wort getragen,
Und meine ganze Seele nimm darin;
Wo man am meisten fühlt, weiß man nicht viel zu sagen.

Heinich Heine



An meine Mutter B. Heine

1.

Ich bin's gewohnt, den Kopf recht hoch zu tragen,

Mein Sinn ist auch ein bißchen starr und zähe;
Wenn selbst der König mir ins Antlitz sähe, 
Ich würde nicht die Augen niederschlagen.

Doch, liebe Mutter, offen will ich's sagen:
Wie mächtig auch mein stolzer Mut sich blähe,
In deiner selig süssen, trauten Nähe
Ergreift mich oft ein demutvolles Zagen.

Ist es dein Geist, der heimlich mich bezwinget,
Dein hoher Geist, der alles kühn durchdringet,
Und blitzend sich zum Himmelslichte schwinget?

Quält mich Erinnerung, daß ich verübet
So manche Tat, die dir das Herz betrübet?
Das schöne Herz, das mich so sehr geliebet?

2.

Im tollen Wahn hatt ich dich einst verlassen,
Ich wollte gehn die ganze Welt zu Ende,
Und wollte sehn, ob ich die Liebe fände,
Um liebevoll die Liebe zu umfassen.

Die Liebe suchte ich auf allen Gassen,
Vor jeder Türe streckt ich aus die Hände,
Und bettelte um g'ringe Liebesspende –
Doch lachend gab man mir nur kaltes Hassen.

Und immer irrte ich nach Liebe, immer
Nach Liebe, doch die Liebe fand ich nimmer,
Und kehrte um nach Hause, krank und trübe.

Doch da bist du entgegen mir gekommen,
Und ach! was da in deinem Aug' geschwommen,
Das war die süße, langgesuchte Liebe.

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