> Gedichte und Zitate für alle: C.Flaischlein, E.Mühsam und K.Tucholsky über das Alleinsein in Gedichten Teil 7

2013-07-17

C.Flaischlein, E.Mühsam und K.Tucholsky über das Alleinsein in Gedichten Teil 7






Cäsar Flaischlen

Und das allein ist's

 Und das allein ist's, drum sich's handelt,
wie Welt und Zeit auch stürmt und wandelt
mit allem, was du je begannst:
daß ohne Vorwurf, ohne Lüge,
daß ohne Reue, ohne Rüge,
auch vor dem eigenen Tribunal,
daß du mit ruhigem Gewissen
zurück- und vorwärtsblicken kannst
auf deines Jahres stille Mühe ...

ob du verlorst, ob du gewannst.

Nicht fremden Anderen zu Dank ...
was denn auch sollen diese Andern!
es ist ja doch ein stetes Wandern
voll Mißgunst überall und Zank!
Nein, dir allein zu Recht und Ehre,
dir allein zu Lust und Last:
deinem Glauben, deinem Leben,
deinem Schaffen Genüge zu geben.

Mag man's dann loben oder tadeln,
was liegt daran!?
Es wird sich immer adeln,
trotz Acht und Bann:
wer ohne Vorwurf, ohne Lüge,
wer ohne Reue, ohne Rüge
zurücksehn darf und sagen kann
von seines Jahres stiller Mühe:
er habe seine Pflicht getan ...

ob er verlor, ob er gewann ...

Und weder Glück noch Unglück
hab je was über ihn vermocht,
und weder Täuschung noch Erfüllung
das freie Herz ihm unterjocht!



Erich Mühsam

Ich will alleine …

Ich will alleine über die Berge gehn,
und keiner soll von meinen Wegen wissen;
denn wer den Pfad zu meinen Höhn gesehn,
hat mich von meinen Höhn herabgerissen.
Ich will alleine über die Berge gehn,
mein Lied soll ungehört am Fels verklingen,
und meine Klage soll im Wind verwehn; –
nur wer dem eignen Herzen singt, kann singen; –
nur wer dem eigenen Herzen klagt, kann klagen;
nur wer das eigne Herz erkennt, kann sehn. –
Hinauf zu mir! Ich will der Welt entsagen,
und will alleine über die Berge gehn.


Kurt Tucholsky

Sauflied, ganz allein

 Manchmal denke ich an dich,
das bekommt mich aber nich,
denn am nächsten Tag bin ich so müde.
Du mein holdes Glasgespinst!
Ob du dich auf mich besinnst?
Morgens warst du immer etwas prüde.
Darum trink ich auf dein Wohl
dieses Gläschen Alkohol!
Braun und blond – rot und schwarz –
Ihr sollt leben!

Deine Augen sind so blau
ganz genau wie bei der Frau
Erna Margot Glyn-Kaliski.
Rheinwein ist nicht stark genug,
darum nehm ich einen Schluck
von dem guten, gelben Whisky.
Und ich trinke auf dein Wohl
dieses Fläschchen Alikol –
Braun und Blond – Black and White . . .
Ihr sollt leben!

Tinte, Rotwein und Odol
sind drei Flüssigkeiten wohl –
davon kann der Mensch schon leben.
So schön kannst du gar nicht sein,
wie in meinen Träumerein –
so viel kannst du gar nicht geben.
Allerschönste Frauenzier,
ach, wie gut, daß du nicht hier!
Oh, wie gerne man doch küßt,
wenn die Frau wo anders ist . . . !
Und darum trink ich auf dein Wohl!
Nun ade, mein Land Tirol!
Lebe wohl! Nur in den kleinen Räuschen
lebe wohl, kann die Frau uns nicht enttäuschen!
Lebe wohl! Lebe wohl!
Lebe wohl, mein Land Tirol –!







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