> Gedichte und Zitate für alle: Der Tod in Gedichten deutscher Dichter 2

2013-07-26

Der Tod in Gedichten deutscher Dichter 2






Christian Friedrich Daniel Schubart

An den Tod

Tod, du Schrecken der Natur,
Immer rieselt deine Uhr;
Die geschwung´ne Sense blinkt,
Gras und Halm und Blume sinkt.
Mühe nicht ohn´Unterschied,
Dieses Blümchen, das erst blüht,
Dieses Röschen, erst halbrot;
Sei barmherzig, lieber Tod!
Tod, wann kommst du, meine Lust?
Ziehst den Dolch aus meiner Brust?
Streifst die Fesseln von der Hand?
Ach, wann deckst du mich mit Sand?
Komm, o Tod, wenn´s dir gefällt,
Hol´Gefang´ne aus der Welt:
Komm, vollende meine Not;
Sei barmherzig, lieber Tod!

Gotthold Ephraim Lessing

Der Tod

Gestern, Brüder, könnt ihrs glauben?
Gestern bei dem Saft der Trauben,
(Bildet euch mein Schrecken ein!)
Kam der Tod zu mir herein.

Drohend schwang er seine Hippe,
Drohend sprach das Furchtgerippe:
"Fort, du teurer Bacchusknecht!
Fort, du hast genug gezecht!"

Lieber Tod, sprach ich mit Tränen,
Solltest du nach mir dich sehnen?
Sieh, da stehet Wein für dich!
Lieber Tod verschone mich!

Lächelnd greift er nach dem Glase;
Lächelnd macht ers auf der Base,
Auf der Pest, Gesundheit leer,
Lächelnd setzt ers wieder her.

Fröhlich glaub' ich mich befreiet,
Als er schnell sein Drohn erneuet.
Narre, für dein Gläschen Wein
Denkst du, spricht er, los zu sein?

Tod, bat ich, ich möcht' auf Erden
Gern ein Mediziner werden.
Laß mich: ich verspreche dir
Meine Kranken halb dafür.

Gut, wenn das ist, magst du leben:
Ruft er. Nur sei mir ergeben.
Lebe, bis du satt geküßt,
Und des Trinkens müde bist.

O! wie schön klingt dies den Ohren!
Tod, du hast mich neu geboren.
Dieses Glas voll Rebensaft,
Tod, auf gute Brüderschaft!

Ewig muß ich also leben,
Ewig! denn, beim Gott der Reben!
Ewig soll mich Lieb' und Wein,
Ewig Wein und Lieb' erfreun!


Johann Wilhelm Ludwig Gleim

An den Tod

Tod, kannst du dich auch verlieben?
Warum holst du denn mein Mädchen?
Kannst du nicht die Mutter holen?
Sieh’, die Mutter sieht dir ähnlich!
Frische, rosenrothe Wangen,
Die mein Kuß so schön gefärbet,
Blühen nicht für blasse Knochen!
Tod! was willst du mit dem Mädchen?
Mit den Zähnen ohne Lippen
Kannst du es ja doch nicht küssen!
Johann Wilhelm Ludwig Gleim

An den Tod
         
Ein Engel bist du nicht, du Tod!
Du bist ein Knochenmann,
Der uns mit einer Sense droht,
Und siehst uns schrecklich an.

Sei, was du willst! Komm aber bald;
Ich warte längst auf dich.
Du bist in beiderlei Gestalt
Mir gar nicht fürchterlich.

Gott sendet dich. In deiner Macht
Steht nichts, steht nicht einmahl
In meines Lebens letzter Nacht
Die kleinste Sterbequal.

Im Glauben an den Gott, der mich
Seyn ließ in dieser Zeit,
Im Glauben stark an den, sterb' ich
Zum Sein in Ewigkeit!

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