> Gedichte und Zitate für alle: Deutsche Gedichte zum Alleinsein Teil 2 (Sauter, Brentano, Lenau)

2013-07-16

Deutsche Gedichte zum Alleinsein Teil 2 (Sauter, Brentano, Lenau)







Clemens Brentano

Ich bin allein

 Ich bin allein,
Viel Sonnenschein
Liegt um das Haus,
Doch wie ein welker Blumenstrauß
Muß einsam sein,

Bis Blatt vor Blatt
Ganz lebenssatt,
Zum andern Ziel
Der leichtgesinnten Lüfte Spiel
Entführet hat.

So sterb' ich hier,
Als Todeszier
Streu' ich den Zug
Von deinem Namen in den Flug
Der Lüfte mir.

O gutes Kind!
Es weht der Wind,
Und was mich quält,
Wird deinen Blumen auch erzählt
Die blühend sind.

Die senken drum
Ganz still und stumm
Das reine Haupt
Und sprechen: Selig wer da glaubt
Der kömmt nicht um.

Und so auch heut,
Da du erfreut
Im Grünen gehst
Hat sich, was du in Liebe säest
Ins Kreuz gestreut.

So zwing' ich dich,
So schwing' ich mich
Zu deiner Huld,
Im Zeichen ewiger Geduld
Vollbringe ich.
Nikolaus Lenau

 Ich trinke hier allein,
Von Freund und Feinden ferne,
In stiller Nacht den Wein
Und meide selbst die Sterne:

Da fährt man gerne mit
In Blicken und Gedanken
Und könnt auf solchem Ritt
Das volle Glas verschwanken.

Der Kerzen heller Brand
Kommt besser mir zustatten,
Da kann ich an der Wand
Doch schauen meinen Schatten.

Mein Schatten! komm, stoß an,
Du wesenloser Zecher!
Auf, schwinge, mein Kumpan,
Den vollen Schattenbecher!

Seh ich den dürren Schein
In deinem Glase schweben,
Schmeckt besser mir der Wein
Und mein lebendig Leben;

So schlürfte der Hellen
Die Lust des Erdenpfades,
Sah er vorübergehn
Als Schatten sich im Hades.
Ferdinand Sauter

Allein

Die Jugend floh vorüber,
Die Freud' ist fast verlernt,
Der Tag wird trüb und trüber,
Das Glück liegt weit entfernt.

Und Lenz und Sommer schwanden,
Frost hüllt das Leben ein,
Doch ach, sie alle fanden
Mich immer noch allein.

So well ich ohne Früchte,
Ein Epheu sonder Stab,
Und sterb' zuletzt und flüchte
Mich einsam in das Grab.






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