> Gedichte und Zitate für alle: Ein Menschenleben im Gedicht (2) Kindheit, Schule, Jugend,

2013-07-26

Ein Menschenleben im Gedicht (2) Kindheit, Schule, Jugend,

Allegorie des Lebens und des Todes




Kindheit


August Heinrich Hoffmann von Fallersleben: Kinderlieder

Wie mein Kind sich freuen kann!

Wie mein Kind sich freuen kann!
Sieht es nur ein Licht,
Sieht es nur ein Blümchen an,
Lächelt sein Gesicht.

Welche Freude wird es sein,
Wenn's im Frühlingsfeld
Laufen kann im Sonnenschein
Durch die Blumenwelt.

Wie's die Händchen dann erhebt
Nach dem Schmetterling!
Wie's nach allem hascht und strebt!
Nichts ist ihm gering.

Und das Hälmchen in dem Ried,
Und das Blatt am Strauch,
Alles, Alles, was es sieht,
Alles freut es auch.

Und wie wird die Freude sein
In der Sommernacht,
Wenn der Mond mit güldnem Schein
Ihm entgegenlacht!

Freue dich, mein liebes Kind!
Wer sich freuen kann,
Ist, sobald er nur beginnt,
Schon ein bessrer Mann!
Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Schule

Die Schule

 Kinder! habt nur Lust zu lernen;
Seht! es fehlt euch nicht an Lehrern.
Feuer, Wasser, Luft und Erde,
Was ihr seht, und hört, und fühlet,
Alles kann euch unterrichten.
Habt nur erst den schönen Willen,
Allem etwas abzulernen.
Lernet denn und werdet klüger.
Lernt vom Löwen tapfer streiten;
Hurtig lernt vom Adler fliegen;
Lernt vom Nautul künstlich schiffen;
Lernt vom Biber sicher bauen;
Lernt von Bienen Süßigkeiten,
Und von Spinnen feine Faden.
Lernt auch etwas vom Kaninchen!
Aber eh ihr etwas lernet,
Lernt von mir und meiner Schöne
Gut zu spielen, gut zu küssen,
Seht nur her! wir halten Schule.
Detlev von Liliencron

Kinder auf der Wiese

 Auf der Wiese Schmetterlinge,
Kinder hurtig hinterher.
Haschen sie und reißen lustig
– Seht! – das Tierchen kreuz und quer.

Kinder aber werden größer.
Hurtig hinter ihnen her
Hascht das Schicksal – seht! – und lustig
Reißts die Menschlein kreuz und quer.
Jugend

Ludwig Eichrodt

Lied der Jugend

 Wenn ich vierzig Jahre bin,
Will ich weise werden,
Oder einen andern Sinn
Gebt mir und Geberden!
Ja, ich trotze der Gefahr
In des Lebens Stürmen,
Mag sie um mich her sogar
Wellenhoch sich türmen.

Billig ist und leicht genug,
Was ihr lehrt zu meiden,
Auszuweichen feig und klug
Menschenwürdgen Leiden;
Und zufrieden freut ihr euch
Eures dürftgen Looses,
Und verbannt aus eurem Reich
Kühnes ist und Großes.

Wie nach Ungewittern nur
Unser Athem schmachtet,
Wenn es über schwüler Flur
Ohne Kühlung nachtet,
So verlanget allezeit
Uns nach Leidenschaften,
Weil wir in Alltäglichkeit
Welkten und erschlafften.

Die wir jung und mutig sind,
Lassen Segel schwellen
Mit der Leidenschaften Wind,
Auf empörten Wellen,
Während, die da weise sind,
Rudern fern der Scylle
Und Charybdis ohne Wind

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