> Gedichte und Zitate für alle: Friedrich Rückert: Aus den Kindertodtenlieder (4)

2013-07-19

Friedrich Rückert: Aus den Kindertodtenlieder (4)






Friedrich Rückert: Aus den Kindertodtenlieder aus seinem Nachlasse

Liebe Kinder sandt' ich zwei zu Grabe

Liebe Kinder sandt' ich zwei zu Grabe,
Und mich selber schleppt' ich krank am Stabe,
Hielt mich wohl für einen armen Mann,
Einer sprach mich doch um eine Gabe,
Der noch ärmer sein muß, an.

Und zum Dank begann er mir zu flehen:
Laß es euch der Himmel wohlergehen,
Wie bisher an Leben, Leib und Kind! –
Himmel! kann er mein Entsetzen sehen?
Nein, der arme Mann ist blind.
Jedes meiner Kinder ist

Jedes meiner Kinder ist
Mir von Gott gegeben;
Aber daß du jüngster bist
Heute mir am Leben,
Da der Krankheit Hinterlist
Du warst hingegeben;
Sag' ich, daß du zweimal bist
Mir von Gott gegeben. –

Und so meinst du wohl als Christ
Recht dich zu erheben;
Aber wenn du weiser bist,
Schreibest du daneben:
Jedes meiner Kinder ist,
Gleich des jüngsten Leben,
Zweimal nicht, nein, jeder Frist
Neu von Gott gegeben.
Die Kinder, die nettesten

 Die Kinder, die nettesten
Wachsen und alten,
Sich legen die glättesten
Stirnen in Falten.

Damit unveraltetes
Etwas uns bliebe,
Nahm ein unentfaltetes
Pärchen die Liebe.

Als Ros' und als Lilie
Blühen sie droben,
Der andern Familie
Wechseln enthoben.

Als Rosen und Lilien
Blühn sie von oben
Dem ird'schen Familien-
Kranze verwoben.

Und wenn der Familie
Glanz wird erbleichen,
Die Ros' und die Lilie

Keine Kommentare: