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2013-07-19

Gedichte für und über Kinder (1)

Junge und Mädchen-Geschwister




Gedichte für und über Kinder



Denkt man an Gedichte für Kinder in der deutschen Lyrik so fallen einen wohl zuerst die "Kinderlieder" von Hoffmann von Fallersleben ein, der eine Fülle von Kindergedichten schuf die sich immer noch einer großen Beliebtheit erfreuen. Sie sind die Klassiker in diesen Genre und darunter befinden sich Gedichte wie z.b: Kuckuck, Kuckkuck rufts aus ...., Alle Vögel sind schon da, Der Frühling hat sich eingestellt und viele weitere bekannte Gedichte die vielfach vertont wurden, und so im Volk von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Auf meiner Seite finden Sie die bekanntesten Kinderlieder von Fallersleben in einer eigenen Sammlung.
Aber auch andere Autoren schrieben speziell für Kinder. So sind in der Sammlung "Des Knaben Wunderhorn" von Brentano und Arnim zahlreiche Kindergedichte enthalten wobei  sie auch einige in dieser Sammlung vorfinden. 
In meiner Sammlung "Gedichte über und für Kinder" befinden sich auch einige der sehr bekannten "Kindertodtenlieder" von Friedrich Rückert der diese über 400 Gedichte unter dem Eindruck des Todes von zwei seiner sechs Kinder schuf. 
Bekannt auch die Kindergedichte von Paula Dehmel die zusammen mit ihrem Mann Richard Dehmel anspruchsvolle Kinderbücher schrieb. Zusammen mit ihm, gab das inzwischen schon geschiedene Paar im Jahr 1900 das Kinderbuch "Fitzebutze" heraus das insgesamt 25 Gedichte enthält. Das Buch gilt im allgemeinen als der Beginn der modernen Kinderliteratur. 
In den weiteren Teilen der Sammlung finden Sie bekannte Gedichte von Arndt/ Lügenmärchen oder das bekannte Gedicht vom Bübchen auf dem Eis von Güll.

Friedrich Haug

Die Kinder

O wie glücklich sind die Kinder!
Krösusreich! Wie Götter – frei!
Selber ihre Weltgeschichte!
Lieblich ihre Traumgesichte!
Ihre Wonne immer neu!

Wo sie spielen, ist ihr Himmel!
Von der Bosheit Riesenkraft
Und verfolgter Unschuld Thränen
Ahnt den Holden nichts. Sie wähnen
Alle Herzen tugendhaft.

Die ihr stolz die Rosenbinde
Von der Kinder Augen zieht,
Lehrer! ach ihr seid Tyrannen!
Lust und Zauber fliehn von dannen,
Wenn ihr Wunderglaube flieht.

Engel schienen mir die Menschen.
Eden lachte rings umher.
Nun – – O gebt die Rosenbinde!
Zaubert mich zurück zum Kinde!
Denn – die Wahrheit schmerzt zu sehr.
Achim von Arnim und Clemens Brentano: Aus: Des Knaben Wunderhorn

Edelkönigs-Kinder

Es waren zwei Edelkönigs-Kinder,
Die beiden die hatten sich lieb,
Beisammen konten sie dir nit kommen,
Das Wasser war viel zu tief.

Ach Liebchen köntest du schwimmen,
So schwimme doch her zu mir,
Drey Kerzlein wollt ich dir anstecken,
Die solten auch leuchten dir.

Da saß ein loses Nönnechen,
Das that, als wenn es schlief,
Es that die Kerzlein ausblasen,
Der Jüngling vertrank so tief.

Ach Mutter herzliebste Mutter,
Wie thut mir mein Häuptchen so weh,
Könt ich ein kleine Weile
Spazieren gehn längst der See.

Ach Tochter herzliebste Tochter,
Allein solst du da nit gehn,
Weck auf deine jüngste Schwester,
Und laß sie mit dir gehn.

Ach Mutter herzliebste Mutter,
Mein Schwester ist noch ein Kind,
Sie pflückt ja all die Blumen,
Die in dem grünen Wald sind.

Ach Mutter herzliebste Mutter,
Wie thut mir mein Häuptchen so weh,
Könt ich eine kleine Weile
Spazieren gehn längst der See.

Ach Tochter, herzliebste Tochter,
Alleine sollst du da nit gehn,
Weck auf deinen jüngsten Bruder,
Und laß ihn mit dir gehn.

Ach Mutter, herzliebste Mutter,
Mein Bruder ist noch ein Kind,
Er fängt ja alle die Haasen,
Die in dem grünen Wald sind.

Die Mutter und die ging schlafen,
Die Tochter ging ihren Gang,
Sie ging so lange spazieren,
Bis sie ein Fischer fand.

Den Fischer sah sie fischen,
Fisch mir ein verdientes roth Gold,
Fisch mir doch einen Todten,
Er ist ein Edelkönigs-Kind.

Der Fischer fischte so lange,
Bis er den Todten fand,
Er grif ihn bei den Haaren,
Und schleift ihn an das Land.

Sie nahm ihn in ihre Arme,
Und küßt ihm seinen Mund:
Adie mein Vater und Mutter,
Wir sehn uns nimmermehr.
Achim von Arnim und Clemens Brentano: Aus:Des Knaben Wunderhorn

Kinder-Predigt

, Quibus, quabus,
Die Enten gehn barfuß,
Die Gäns haben gar keine Schuh,
Was sagen dann die lieben Hüner dazu?
Und als ich nun kam an das kanaljeische Meer,
Da fand ich drey Männer, und noch viel mehr,
Der eine hatte niemals was,
Der andre nicht das,
Und der dritte gar nichts,
Die kauften sich eine Semmel,
Und einen Zentner holländischen Käse,
Und fuhren damit an das kanaljeische Meer.
Und als sie kamen an das kanaljeische Meer,
Da kamen sie in ein Land, und das war leer,
Und sie kamen an eine Kirche von Papier,
Darin war eine Kanzel von Korduan,
Und ein Pfaffe von Rothstein,
Der schrie: Heute haben wir Sünde gethan,
Verleiht uns Gott das Leben, so wollen wir morgen wieder dran!
Und die drey Schwestern Lazari,
Katharina, Sibilla, Schweigstilla,
Weinten bitterlich,
Und der Hahn krähete Buttermilch!

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