> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte zum Alleinsein deutscher Autoren Teil 5 (F.Kempner, H.v.Lingg, J.G.Seidl, F.v.Saar)

2013-07-17

Gedichte zum Alleinsein deutscher Autoren Teil 5 (F.Kempner, H.v.Lingg, J.G.Seidl, F.v.Saar)







Friederike Kempner

Nur allein kann ich erstarken

 Nur allein kann ich erstarken,
Nur allein sprießt mir die Kraft,
Tret' ich in des Kampfes Marken,
Mit des Mutes Eigenschaft.

Sag' ich los mich jenem Jammer,
Jenem tiefen Seelenweh,
Gürte meine Lenden strammer
Und gepanzert fest ich steh'!

Fest wie eine Memnonsäule,
Unter mir den Staub der Welt,
Ob mein Blick auch drauf verweile –
's ist der Blick von einem Held.

Fest wie eine Memnonsäule,
Schwarzer Marmor ist mein Kleid,
Doch nicht müßig ich verweile,
In der Wüsten Einsamkeit.

Pflegend nicht wie jener König
Von Aegypten, feiger Ruh,
Der ist gar nichts oder wenig,
Der dem Bösen siehet zu. –

In die Enge, in's Gedränge
Stürz' ich mich mit lautem Klang,
Singe vor der ganzen Menge
Ew'ger Wahrheit großen Sang.

Hermann von Lingg

Allein

Des Dunkels Vorhang senkt sich dicht
Herab in Nebelfeuchte,
Durch Wolken scheint des Mondes Licht
Wie eine Grabesleuchte.

Weh, wer heut Nacht allein muß sein!
Wer gegen Zweifel und Hassen
An der Menschheit Grenze ganz allein
Auf Wache steht, verlassen.

Das Kind ruht an der Mutter Brust,
Der Greis auf Enkelsknieen,
Die Liebenden ruhn in Liebeslust,
Der Schwan in Melodieen.

Auf Melodieen trag auch dich
Dein Traum durch Blüthenranken,
Um mich indessen schaaren sich
Die nagenden schwarzen Gedanken.

Johann Gabriel Seidl

Allein!

Wenn alles ruht in tiefer Nacht,
Kein Laut umher sich rührt,
Und nur der Mond, als stille Wacht,
Den Chor der Sterne führt;
Wenn alles rings so grabesstumm
Im Sarg des Schlafes ruht,
Da blick' ich wie erlöst herum,
Und denke: Nun ist's gut!
Nun bin ich mein, bin mein, bin mein,
Die Welt gehöret mir,
Ich bin ja einmal doch allein,
Mit mir, und, Gott, mit dir!
Die ihr mich quält so unbewußt,
Ihr schlaft und laßt mir Ruh';
Herr bin ich meiner wunden Brust:
O blute, blute zu!
Kein unberufner Arzt will dann
Zur Qual mein Retter sein,
Da kann ich weinen – beten – kann
Nachhangen süßer Pein!
Die ihr des Schlafs bedürft, o tauscht,
Nehmt allen hin, der mein!
Mein Glück ist: – wachen, unbelauscht,
Allein, – allein, – allein!
Ferdinand von Saar

Laßt mich allein

Oft will im Tiefsten mich der Wunsch erfassen,
Es möge jedes Herz, das für mich schlägt,
Von mir sich kehren, zürnend mich verlassen,
Weil, mich zu lieben, keinen Segen trägt.

O daß ihr jeder Sorge euch entbändet
Und jeder Hoffnung, die ihr in mich setzt;
Was ihr mir Theu'res jemals auch verpfändet:
Mit Undank lohnen muß ich es zuletzt.

Denn ach, wie lange kann die Täuschung dauern?
Dann seid ihr plötzlich dessen euch bewußt,
Was ich schon längst mit unnennbarem Trauern
Als Mangel fühle in der eig'nen Brust.

Schon wird des Freundes Rath, der warme, treue,
Zu einem Mahnerschrei mir, grell und laut,
Und wie im Ton des Vorwurfs und der Reue
Klingt mir das liebevolle Wort der Braut.

Mir ist, ihr wollet Alle an mir rütteln,
Daß ich euch gebe, was ich nimmer kann –
Und mächtig zwingt's mich, euch von mir zu schütteln
Wie einen fremden, längst verhaßten Bann,

Um ganz allein den Kummer zu ertragen,
Der immer enger, schwerer mich umflicht,
Bis einst mein Leib nach stummen Leidestagen
Mit seines Elends Last zusammenbricht.

Ferdinand von Saar

 Nach dir allein, du Zauberstadt im Meere,
Nach dir, Venezia, faßt mich noch ein Sehnen;
O könnt' ich still an deinen Brücken lehnen,
Du menschenvolle – und doch menschenleere!

Was deine Hoheit auch an Glanz entbehre
Vergang'ner Zeiten, nichtig muß ich's wähnen;
Wie lieb' ich dich mit deinen dunklen Kähnen,
Die heut' noch des Genusses schönste Fähre!

Du bist der Ort für müde Lebensschwingen,
Die gern in deinen märchenhaften Räumen
Zu leisem Fluge noch empor sich ringen.

Du bist der Ort für letztes Becherschäumen:
So möcht' auch ich in dir ein Lied noch singen
Und einer letzten Liebe Traum noch träumen.









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