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2013-07-24

Gedichte zum Thema Geschenk und Gaben 1






Johann Gottfried Herder

Gebrauch der Gaben

 Die Gabe nimmt sich Niemand, sie
Wird ihm von Gott verliehen;
Nur wer sie mißbraucht, dem wird nie
Der Mißgebrauch verziehen;
Wer sie nicht brauchet ganz und recht,
Ist ein verworfner, böser Knecht.

Herr, lehre mich Zufriedenheit
Durch rechten Brauch der Gabe!
Weit über meine Dankbarkeit
Reicht, was ich von Dir habe.
Hätt' ich gethan auch noch so viel,
Wie ferne bin ich noch vom Ziel!

Wo irgend eine Thräne fließt,
Die ich wol trocknen könnte,
Wo irgend sich ein Gram ergießt,
Der mir Zutrauen gönnte,
Und ich nicht, was ich soll, gethan:
O Herr, das Nichtthun klagt mich an!

Wo Mängel ich und Irrthum sah
(Wie viele sind hienieden!),
Und mein Gewissen trat mir nah:
»Die Pflicht ist Dir beschieden;
Zu helfen hier ist süße Müh!«
Wie oft, Herr, unterließ ich sie!

Und doch ist Menschenseligkeit
Nur eine, daß ich wollte
Erfüllen, was die Pflicht gebeut
Und treu ich leisten sollte.
Was Niemand als ich konnte thun,
Zu thun, heißt in der Pflicht beruhn.

Erbarmen, Herr, und Liebe hebt
Uns über alles Streben;
In guter Menschen Herzen lebt
Sich wol das schönste Leben;
Für Andre wirken, ist uns Ruhm
Und Trost und Evangelium.

Und ach, wie viel verstrichen schon
Mir Tag' und Jahr' und Kräfte!
Und ist verhallt des Lebens Ton,
Vertrocknet seine Säfte:
Wer täglich seinen Tag verlor,
Ist bis zum letzten Tag ein Thor.

Herr, hilf mir, daß ich werde bald,
Was je ich werden sollte,
Und eh die letzte Stunde schallt,
Daß ich es ernstlich wollte!
Im Tod und Leben ist uns wohl,
Wenn man das ist, was man sein soll.

Charlotte von Ahlefeld

Die Geschenke

 Um in der Ferne meiner zu gedenken,
Bedarfst Du wohl der äussern Zeichen nicht.
In Deiner Brust unsterblich mich zu denken,
Macht mir Dein Schwur zur ewig heil'gen Pflicht,
Und doch darfst Du die Gaben nicht verschmähen,
Womit ich wünsche Dich geschmückt zu sehen.

So nimm den Ring von meinem Haar umgeben
Und lass ihn nie von Deiner theuern Hand;
Er sei Dein Talisman im wilden Leben,
Und der Erinnrung goldnes Unterpfand;
Und auch noch dann wenn jede Hoffnung schwindet,
Sei er der Kreis, der magisch uns verbindet.

Und nimm die Uhr, die Dir mit leisem Schlage
Verklungne Stunden wiederholen kann;
Ach hätte sie die Macht, vergangne Tage
Uns zu erneun, wie kostbar wär' sie dann!
Doch an die Flucht der Zeit darf sie Dich mahnen,
Und eine bessre Zukunft wird Dir ahnen.

Die Nadel nimm, geziert mit Edelsteinen,
Und trage sie an Deiner treuen Brust.
Sie wird der Welt als leerer Schmuck erscheinen,
Denn fremd ist ihr die schmerzlich süsse Lust,
Womit die Liebe sucht, in holden Bildern
Der reinen Gunst, des Scheidens Weh zu mildern.

Bewahre heilig, was ich Dir gegeben,
Denn ach – wer weiss, ob wir uns wiedersehn,
Ob unsre Wege durch das weite Leben
Nicht nach verschiednen, öden Zielen gehn,
Wo fern von Dir, in still verschwiegnen Thränen,
Mich heimlich aufzehrt meines Herzens Sehnen.

So nimm sie denn, die freundlichen Geschenke,
Die Dir des Abschieds dunkle Stunde bringt.
In der Erinn'rung theure Schatten senke
Den nassen Blick, wenn Dich der Gram bezwingt,
Dann wird mein Bild Dich liebevoll umschweben,
Und die Vergangenheit auf's neue Dir beleben.


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