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2013-07-16

Gedichte zum Thema Leidenschaft Teil 1 (Goethe, Hölderlin, Strachwitz)








Moritz von Strachwitz,


Leidenschaft über Empfindsamkeit

Wenn die Wälder tief verstummen, 
Sich der Himmel weitet, breitet, 
Durch das Blau mit leisem Summen
Nicht ein einzig Lüftchen gleitet;

Wenn die Ströme schweigend rollen
Und der Sturm die Renner zügelt,
Auf dem See, dem ruhevollen,
Nicht ein Hauch die Welle hügelt:

Hört man wohl beim Abendschillern
Turteltauben Seufzer tauschen,
Hört man wohl die Lerche trillern
Und das Bächlein schwatzend rauschen.

Wenn in zornigem Erzittern
Sich im Kampf die Äste schlagen,
Durch das Blau in Schlachtgewittern
Donnerwolkenheere jagen;

Wenn der Stromschuß jach hereinbraust
Und das Sturmroß schnaubt im Zorne,
Hoch die Welle ans Gestein braust
Aus des Seees Strudelborne:

Schweige dann, du Westessäuseln,
Lerchenschwirren, Taubengirren;
Höre, Bächlein, auf zu kräuseln
Und durch Rosen hinzuirren.

Wenn mit Macht die Adern kochen
Und im Sturm die Triebe streiten:
Schweige dann, du leises Pochen
Liebeszarter Seligkeiten.

Tränen ihr, ihr süßen, bittern,
Laßt euch stillen, flüssig laue,
Wenn die Blitze Felsen splittern,
Ist's nicht Zeit zum Morgentaue.

J.W.v.Goethe

Die Flut der Leidenschaft, sie stürmt vergebens- Aus dem Divan


Die Flut der Leidenschaft, sie stürmt vergebens 
Ans unbezwungne feste Land. 
Sie wirft poetische Perlen an den Strand,
Und das ist schon Gewinn des Lebens.

Friedrich Hölderlin

Der Kampf der Leidenschaft 

Ras ich ewig? noch nicht ausgestritten 
Ist der heiße Streit der Leidenschaft? 
Hab ich Armer nicht genug gelitten? 
Sie ist hin – ist hin – des Kämpfers Kraft.
Engelsauge! immer um mich schweben –
O warum? warum? du liebe Grausame! 
Schone! schone! sieh! dies schwache Beben! 
Weibertränen weint der Überwundene.

Weibertränen weinen? Weibertränen?
Wirklich? wein ich wirklich, Zauberin?
Und dies Klopfen, dieses bange Sehnen,
Ists um Luzias Umarmungen?
Nein! ich kann nicht! will nicht! diese Tränen
Stieß der Zorn ins Auge, sie vergoß der Grimm;
O! mich schmelzen keine Mädchenmienen,
Nur der Freiheit brauste dieses Ungestüm.

Aber wie? dein Stolz hat sich betrogen,
Siehe! Lügen straft die Liebe mich;
Männergröße hat dein Herz gelogen,
Und im schwachen Kampf verkennst du dich.
Stolz verschmähst du alle Mädchenherzen,
Weil dir Luzia ihr großes Herz nicht gibt,
Kindisch heuchelst du verbißne Schmerzen,
Armer Heuchler! weil dich Luzia nicht liebt.

Weh! sie kann, sie kann mich nimmer lieben,
Mir geraubt durch ein tyrannisch Joch,
Nur die Wunde noch ist mir geblieben,
Fühlst dus? Fühlst dus? Weib! die Wunde noch.
Ha! ein Abgrund droht vor meinen Sinnen –
Laß mich! laß mich! todesvolle Leidenschaft!
Höllenflamme? willt du ewig brennen?
Schone! schone! sie ist hin, des Kämpfers Kraft.




















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