> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte zum Thema Mutter Teil 1

2013-07-01

Gedichte zum Thema Mutter Teil 1

Dürer-Bild der Mutter-Gedichte




Novalis (1772 – 1801)


Die mich einst mit Schmerz gebar

Die mich einst mit Schmerz gebar,
doch mit Mutterfreuden –
da ich noch ein Knäblein war,
vieles mußte leiden,
stets mich doch die Sorg gepflegt
und mit Angst und Mühe,
und mich oft noch huldreich trägt:
siehe, wie ich blühe.
Und ein Liedchen singe ich
dir voll Dank und Freude.
Nimm es an und freue dich,
höre, was ich heute
wünsche dir voll Dankbarkeit:
Lebe uns zufrieden
Lange noch; was dich erfreut,
müsse dich hienieden
stets beglücken; ohne Rast
blühen deine Wangen
von Gesundheit, Sorgenlast
möge dich nicht fangen.


Christian Felix Weiße

Die Mutter

Was fällt doch meiner Mutter ein!
Vorzeiten ließ sie mich allein:
Jetzt keinen Augenblick.
Ich geh ins Feld, ich geh in Hain,
Gleich hör ich sie von weiten schrein:
»Heh, Mädchen, komm zurück!«

Wie ist der guten Mutter bang,
Als würde mir die Zeit zu lang?
Ja, dafür steh ich ihr.
Ich geh da, oder dorten hin,
Mein Thyrsis weiß schon, wo ich bin,
Und alsdann – – spielen wir.

Denkt sie, wenn sie nicht bei mir ist,
Daß mir der Wolf mein Schäfgen frißt?
Denn nie verläßt es mich.
Ei, ja doch, das hat große Not:
Ich glaube, Thyrsis schlüg ihn tot:
Er liebt es mehr als ich!


Friedrich von Schlegel

Klage der Mutter

Ja in des Herzens Glut werd' ich vergehen.
Seit mir die Welt verschwunden,
Die holden Kindlein mir der Tod entwunden,
Will nirgends Kühlung wehen;

Von wo aus freudig strömten alle Flammen,
Da dringen nun die Schmerzen hin zusammen.
Zurückgetreten sind ins Herz die Fluten,
Und will die Freundin lindern,

Erregt ihr sanfter Hauch nur wild're Gluten,
Und kann das Leid nicht mindern.
Ach, dürft' es einmal strömen frei ins Freie,
So ruht' ich bald im Schoß der ew'gen Treue.




Friedrich von Schlegel

Das Kind an die Mutter

Ich komme dich zu bitten,
Du liebe Liebe,
O laß dich grün umkränzen
Von deinem Kinde.

Weg mit dem dunklen Schleier,
Dann bist du schöner;
Und schau die süßen Blüten,
Wie glänzt es fröhlich!

Die Sonne scheint ja, Mutter!
Du kannst mir glauben,
Und willst du dich nicht kränzen,
So werd' ich traurig.

Sind deine Augen heiter,
So lacht das Grüne;
Sind deine Augen dunkel,
So stirbt die Blüte.


Keine Kommentare: