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2013-07-23

Gedichte zum Thema Trennung (2)







Ludwig Tieck

Aus: Des Jünglings Liebe -Trennung

 Muß es eine Trennung geben

 Muß es eine Trennung geben,
Die das treue Herz zerbricht?
Nein, dies nenne ich nicht leben,
Sterben ist so bitter nicht.

Hör' ich eines Schäfers Flöte,
Härme ich mich inniglich,
Seh ich in die Abendröthe,
Denk ich brünstiglich an dich.

Giebt es denn kein wahres Lieben?
Muß denn Schmerz und Trauer seyn?
Wär ich ungeliebt geblieben,
Hätt' ich doch noch Hoffnungsschein.

Aber so muß ich nun klagen:
Wo ist Hoffnung, als das Grab?
Fern muß ich mein Elend tragen,
Heimlich stirbt das Herz mir ab.

Die Segel sie schwellen

 Die Segel sie schwellen,
Die Furcht ist nur Tand:
Dort, jenseit der Wellen,
Ist väterlich Land.

Die Heimath entfliehet, –
So fahre sie hin!
Die Liebe sie ziehet
Gewaltig den Sinn.

Horch! wollüstig klingen
Die Wellen im Meer,
Sie hüpfen und springen
Muthwillig einher.

Und sollten sie klagen?
Sie rufen nach dir!
Sie wissen, sie tragen
Die Liebe von hier.

Johann Peter Eckerman

Keine Trennung
       
An meiner Treue willst du zweifeln, Süße?
Bedenkst du auch, ob Trennung möglich ist?
O, glaube mir! Und wenn ich dich verließe,
Ich wäre doch nur immer, wo die bist.

Zwei Bächen Liebende sich gleichen lassen,
Die, wenn ihr Pfad zusammen sie geführt,
Alsbald mit solcher Neigung sich erfassen,
Daß einer sich im andern ganz verliert.

Da bleibt kein Ich, kein Du, kein Unterscheiden,
Ihr Wasser liebend durcheinander spült;
Hinfort für beide nur ein Glück, ein Leiden,
Eins in dem andern nur sein Dasein fühlt.

So wallen die, im seligen Verfließen,
In treuer Einung, lange Strecke fort,
Von Bruch zu Brüchen und von Wies zu Wiesen,
Von Mühl' zu Mühle, so von Ort zu Ort.

Wenn die sich einst nun wieder wollten trennen,
Daß jeder flösse, einzeln, wie zuvor,
Wie würde da sich jeder finden können,
Da einer so im andern sich verlor?

Der eine würd mit andrer Hälfte scheiden,
Die eigne ließ dem andern er zurück;
Da blieben beieinander doch die beiden,
Doch jeder halb, und wäre das ein Glück?

Da würd' in Wehmut jeder seitwärts rinnen,
Einsam durch Wiesen, dunklen Büschen zu;
Abwärts zum andern schweifte jedes Sinnen,
Bis sie sich wieder hätten, ohne Ruh.

So auch mit uns. – Drum Liebchen, ohne Sorgen!
Befürchte nichts für unsrer Treue Glück;
Und glaube mir: Verließ ich dich auch morgen,
Schon übermorgen käm' ich dir zurück.

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