> Gedichte und Zitate für alle: Kinder ! Kinder! F.Güll, T.Storm, L.Hensel -Gedichte (5)

2013-07-19

Kinder ! Kinder! F.Güll, T.Storm, L.Hensel -Gedichte (5)






Friedrich Güll

Das Büblein auf dem Eise

Gefroren hat es heuer,
noch gar kein festes Eis.
Das Büblein steht am Weiher
und spricht so zu sich leis:
"Ich will es einmal wagen,
das Eis, es muss doch tragen."
Wer weiß?

Das Büblein stampft und hacket
mit seinem Stiefelein.
Das Eis auf einmal knacket,
und krach! schon bricht es ein.
Das büblein platscht und krabbelt
als wie ein Krebs und zappelt
mit Arm und Bein.

"O helft, ich muss versinken
in lauter Eis und Schnee,
o helft, ich muss ertrinken
im tiefen, tiefen See!"
Wär' nicht ein Mann gekommen,
der sich ein Herz genommen,
o weh!

Der packt es bei dem Schopfe und zieht es dann heraus
vom Fuße bis zum Kopfe
wie eine Wassermaus.
Das Büblein hat getropfet,
der Vater hat geklopfet
es aus
zu Haus.
Louise Hensel

Die Kinder in der Fremde

 Ach Mutter! bleibst so lange,
Es wird uns Kindern bange,
Der Abend ist so kalt;
Die Winde schaurig wehen
Und lange Schatten gehen
Und Löwen brüllen durch den Wald.

Weit sind wir heut gegangen
Und tragen nun Verlangen
Nach unsrer Mutter Schooß;
Komm, trockne unsre Thränen,
Lös' auf dies bange Sehnen,
Mach' unsre müden Herzen los.

Du sagtest uns am Morgen:
Wir sollten ohne Sorgen
Von deiner Schwelle gehn;
Wenn wir den Berg erklommen
Und wenn die Nacht gekommen,
Dann würden wir dich wiedersehn.

Wir mußten mühsam wallen
Und viele sind gefallen
Und mancher ging voran.
Oft mußten wir auch weinen;
Durch Dornen und auf Steinen,
Durch Hitz' und Sturm ging unsre Bahn.

Nun geht der Tag zu Ende,
Drum heben wir die Hände
Und suchen deine Hand;
Thu' auf die traute Zelle!
Sind wieder an der Stelle,
Da du uns hast hinausgesandt.

Laß uns in grünen Wiegen
Im weißen Hemdlein liegen
So tief und still und dicht;
Laß Thränen uns befeuchten,
Laß auf uns niederleuchten
Dein ewig klares Mondgesicht.

Den Schleier, blau gewoben,
Den breite weit aus oben,
Drin laß uns hoffend ruhn.
Einst wird es wieder tagen,
Dann wird der Vater sagen:
»Steht auf, ihr Kindlein, alle nun!«
Theodor Storm

1.

 Abends


Auf meinem Schoße sitzet nun
Und ruht der kleine Mann;
Mich schauen aus der Dämmerung
Die zarten Augen an.

Er spielt nicht mehr, er ist bei mir,
Will nirgend anders sein;
Die kleine Seele tritt heraus
Und will zu mir herein.


2.

Mein Häwelmann, mein Bursche klein,
Du bist des Hauses Sonnenschein,
Die Vögel singen, die Kinder lachen,
Wenn deine strahlenden Augen wachen.
Betty Paoli

Die Kinder der Einsamkeit

 Es war die hold'ste Töchterschaar
Der Einsamkeit beschieden;
Wer ihnen sich gelobt, fürwahr!
Der findet sel'gen Frieden.
Da ist die Ahnung, die beschwingt,
Uns nicht am Staub läßt kleben;
Erkenntnis, die den Willen zwingt
Sich selber aufzugeben;
Die Sammlung, die, der Seele Licht,
In's Große sich versenket;
Die echte Freiheit, länger nicht
Von Furcht und Wunsch beschränket,
Die Liebe, die, nicht mehr verrannt
In selbstisches Verlangen,
Sich von dem einzelnen gewandt
Um alle zu umfangen.
Wer priese nicht die edle Zier
So makelloser Lilien?
Doch, schlimm genug! ergeht's auch hier
Wie manchmal in Familien:
Den Töchtern, liebevoll bestellt
Uns himmelwärts zu tragen,
Sind leider Söhne beigesellt,
Die aus der Art geschlagen.
Der Eigensinn, der störrisch hält
An angemaßtem Rechte,
Der Hochmut, der rings auf der Welt
Nur Thoren sieht und Knechte,
Der Mißmut, mit sich selbst im Streit,
Der starre Trotz nicht minder,
Sind allesamt der Einsamkeit
Schmachvoll mißrat'ne Kinder.

Drum lasse du in deiner Brust
Nur ihre Töchter walten!
Die bösen Buben aber mußt
Du dir vom Leibe halten.

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