> Gedichte und Zitate für alle: Leid und Lust- deutsche Gedichte zur Lust (3)

2013-07-21

Leid und Lust- deutsche Gedichte zur Lust (3)






Joseph von Eichendorff

Leid und Lust

 Euch Wolken beneid ich
In blauer Luft,
Wie schwingt ihr euch freudig
Über Berg und Kluft!

Mein Liebchen wohl seht ihr
Im Garten gehn,
Am Springbrunnen steht sie
So morgenschön.

Und wäscht an der Quelle
Ihr goldenes Haar,
Die Äugelein helle,
Und blickt so klar.

Und Busen und Wangen
Dürft ihr da sehn. 
Ich brenn vor Verlangen,
Und muß hier stehn!

Euch Wolken bedaur ich
Bei stiller Nacht,
Die Erde bebt schaurig,
Der Mond erwacht:

Da führt mich ein Bübchen
Mit Flügelein fein,
Durchs Dunkel zum Liebchen,
Sie läßt mich ein.

Wohl schaut ihr die Sterne
Weit, ohne Zahl,
Doch bleiben sie ferne
Euch allzumal.

Mir leuchten zwei Sterne
Mit süßem Strahl,
Die küß ich so gerne
Vieltausendmal.

Euch grüßt mit Gefunkel
Der Wasserfall,
Und tief aus dem Dunkel
Die Nachtigall.

Doch süßer es grüßet
Als Wellentanz,
Wenn Liebchen hold flüstert:
»Dein bin ich ganz.«

So segelt denn traurig
In öder Pracht!
Euch Wolken bedaur ich
Bei süßer Nacht.
Johann Gabriel Seidl

Ohne Liebe – keine Lust
       
Tausend Blumen sprossen wieder,
Und der Lenz ist aufgewacht,
Seine Freuden tauen nieder,
Alles blüht und alles lacht.
Aber ach! die alten Schmerzen
Füllen mir die bange Brust:
Winter ist's im öden Herzen, –
Ohne Liebe – keine Lust!

Tausend milde Strahlen wärmen
Blatt und Knospe, Saat und Keim,
Quellen rieseln, Bienen schwärmen,
Und die Schwalben kehren heim.
Aber ach! kein süßes Scherzen
Schmilzt das Eis der bangen Brust
Keine Glut im öden Herzen, –
Ohne Liebe – keine Lust!

Tausend helle Sterne flimmern
Hoch am blauen Himmelszelt,
Leuchten hold mit sanftem Schimmern
Süßen Trost der müden Welt.
Aber ach! wie Totenkerzen
Flackern sie der bangen Brust:
Dunkel bleibt's im öden Herzen, –
Ohne Liebe – keine Lust!

Tausend frohe Kehlen singen
Laut der Freud' ein Jubellied,
Goldne Wonnebecher klingen,
Jede Sorg' und Klag entflieht.
Aber ach! wie Ruf der Schmerzen
Klingt ihr Schall der bangen Brust:
Stille bleibt's im öden Herzen, –
Ohne Liebe – keine Lust!
Hermann Conradi (1862-1890)

Was frag' ich nach Zeit und Stunde

Was frag' ich nach Zeit und Stunde,
Wenn an deiner Brust ich lieg' 
Wenn ich küsse von deinem Munde
Der Liebe süßseligen Sieg!
Wenn ich küsse die weißen Brüste,
Den knospenden, schwellenden Leib 
Was frag' ich nach Zeit und Stunde,
Bei solch holdem Zeitvertreib! ...

Was frag' ich nach Zeit und Stunde,
Rast' ich auf Linnen, schneeweiß,
Bei dir und trink' dir vom Munde
Der Liebe süßseligen Preis!
Da füllt mich ein großes Genügen,
Mein wildes Begehren versinkt ...
Was frag' ich nach Zeit und Stunde,
Wenn die Welt wie verschollen mich dünkt! …
Friedrich Wilhelm Nietzsche 

Oh Mensch! Gib Acht! 
Was spricht die tiefe Mitternacht? 
"Ich schlief, ich schlief –, 
Aus tiefem Traum bin ich erwacht: –
Die Welt ist tief, 
Und tiefer als der Tag gedacht. 
Tief ist ihr Weh –, 
Lust – tiefer noch als Herzeleid: 
Weh spricht: Vergeh! 
Doch alle Lust will Ewigkeit 
will tiefe, tiefe Ewigkeit!''









Keine Kommentare: