> Gedichte und Zitate für alle: Leidenschaft in Gedichten deutscher Dichter Teil 2 (Kempner, Busch, Dauthendy, Sternberg)

2013-07-16

Leidenschaft in Gedichten deutscher Dichter Teil 2 (Kempner, Busch, Dauthendy, Sternberg)







Friederike Kempner


Nicht bei der Leidenschaft trübem Feuer


 Nicht bei der Leidenschaft trübem Feuer,
Nur bei der Weisheit hell strahlendem Licht,
Schaue die Dinge, die Gott erschaffen,
Das Wie und das Wann, – das ergründest Du nicht.

Schaue die Wunder, – die großen und kleinen –
Leuchtende Sterne in düsterer Nacht!
Doch verschmäh' ob des Glanzes von tausend Sonnen
Keinerlei Röslein's bescheidene Pracht.

O Mensch, Du trittst mit Füßen tausend Wunder,
Und tausend Wunder, sie umgeben Dich.
Und tausend Wunder in den Lüften fliegen,
O Mensch, und Du beklagest Dich?

Knie nieder in dem weiten Welten-Raume,
Ist's Tag, so knie im gold'nen Sonnenschein,
Ist's Nacht, hoch über Dir die Sterne leuchten,
Und Dein Gebet sei Dank allein!


Wilhelm Busch


Verstand und Leidenschaft


Es ist ein recht beliebter Bau.
Wer wollte ihn nicht loben?
Drin wohnt ein Mann mit seiner Frau,
Sie unten und er oben.

Er, als ein schlaugewiegter Mann,
Hält viel auf weise Lehren,
Sie, ungestüm und drauf und dran,
Tut das, was ihr Begehren.

Sie läßt ihn reden und begeht,
Blind, wie sie ist, viel Wüstes,
Und bringt sie das in Schwulität,
Na, sagt er kühl, da siehst es.

Vereinen sich jedoch die zwei
Zu traulichem Verbande,
Dann kommt die schönste Lumperei
Hübsch regelrecht zustande.

So geht's in diesem Hause her.
Man möchte fast erschrecken.
Auch ist's beweglich, aber mehr
Noch als das Haus der Schnecken.

Max Dauthendey


In der Nacht sind der Leidenschaft lautlose Feste


Der Viertelmond fällt wie ein Türkenschwert,
Wie eine Fackel, die einer zum Berg hinhält,
Und legt heimliches Feuer an die nächtliche Welt.

Kein Stern sich von der Stelle regt,
Still steht die Nacht und unbewegt,
Wie ein Haupt, das unter das Schwert sich legt.

Und, als hat ein Fieber die Welt verzehrt,
Keine Kraft, keine Geste der Todstille wehrt, –
In der Nacht sind der Leidenschaft lautlose Feste.

Leo Sternberg


Leidenschaft



Ein Weib, o ein Weib hab' ich heut' gesehn!
Ein Weib, ich bin Feuer und Flamme,
Ich würde durch Feind und Feu'r für sie gehn,
Die Pest ihrem Bräutigame.

Ich muß sie haben, da hilft keine Macht
Der Welt, sie sei Braut oder Nonne;
Frei' eine, die kaum aus der Knospe erwacht,
Schon vor Dir strahlte die Sonne.

Der Zufall beugt des Bess'ren Recht
Und zwingt ihn zu verzichten,
Doch eh' ich mich mache zu seinem Knecht,
Mag mein Schwert denn richten!

Weil der zuerst, und ich zu zweit
Um sie warb, müßt' ich entsagen?
Am Ende ist sie längst Dich leid,
Mensch, Hund, ich will Dich erschlagen.

Und gibst Du mir auch den Todesstich,
So kannst Du doch nie mich begraben;
Denn denken wird sie: Er starb für mich,
Er mußte mich lieber haben.



1 Kommentar:

Jürgen Lindner hat gesagt…

Ich denk mal das du nun genug Werbung für dich gemacht hast. Bitte keine Verlinkungen mehr auf deine Seite.