> Gedichte und Zitate für alle: M.Dauthendy und H.Löns in Gedichten zur Lust (4)

2013-07-21

M.Dauthendy und H.Löns in Gedichten zur Lust (4)







Hermann Löns 

Lustgeschmetter

Goldene Knospenhülle schütten
All die jungen Buchenblätter,
Und den ganzen Wald durchjubelt
Liebessang und Lustgeschmetter.

Um die weißen Sterngrasblumen
Tanzen goldne Schmetterlinge,
Und um jede kleine Blüte
Geht ein summendes Geklinge.

Lachend faß ich deine Hüfte,
Hab so lange dursten müssen,
Lange lange lange Jahre,
Ach so sehr, nach deinen Küssen.

Max Dauthendey

Immer Lust an Lust sich hängt

 Alle Dinge können sehen. Sag nicht, das sie blind dastehen.
Sag nicht, dass sie dunkel gehen. Häuser, Bäume, Wege, Wind,
Stühle, Tische, Bett und Spind, alle Dinge sehend sind.
Alle Dinge können denken. Nicht nur Stirnen Geist dir schenken,
Alle Dinge Geister lenken. Kleiner Mücken grauer Zug,
Spinnwebfaden leis im Flug; jeder Grashalm denk genug.
Und es lieben alle Dinge. Wie die Vögel mit Gesinge
Liebt sich alle Welt im Ringe. Eines hin zum andern drängt,
Jedes seine Lust sich fängt. Immer Lust an Lust sich hängt.



Max Dauthendey

Die Leiern der Wollust
       
In kleinen Cafés, hinter farbigen Scheiben, ist ein Treiben von Kastagnetten und Tamburinengeklingel
Und vom Getingel der Silber- und Glasperlenketten an fetten, üppigen Frauen,
Die sich aufgestellt, wie fleischige Pflanzen, die sich im Blauen aufbauen
Und sorglos und ohne Gedanken für die vier Winde tanzen.
Von ihren Gesichtern fiel Schleier und Binde, und doch sind sie nur wie lächelnde Blinde
Und stehen da zur irdischen Feier fürs Blut und sind der Wollust Leier
Und tun den Fingern der Männer gut, die, ohne nach Herzen zu fragen,
Versteckt wie die Wilddiebe, lüstern und schonungslos jagen.
Wie den Hengsten die Nüstern zittern, wenn sie die Stuten wittern,
So drängen sich unter Flüstern, zwischen roten düstern Feuern, zwischen Häuserschatten und Mond,
Die Männer in Massen hin in den Gassen und zwischen Gemäuern.
Es ist ein Kichern und Fassen, und gelassen in den Fensterbogen wogen die Busen der Frauen,
Und auf den Treppen, an jedem Haus, sitzt, in hellen Kleidern, Schar bei Schar,
Sieht unverlegen und klar hinaus und hält geöffnet zur Wollust Busen und Haar.


Max Dauthendey

Die Uhr zeigt heute keine Zeit

Die Uhr zeigt heute keine Zeit.
Ich bin so glücklich von deinen Küssen,
Dass alle Dinge es spüren müssen.
Mein Herz in wogender Brust mir liegt,
Wie sich ein Kahn im Schilfe wiegt.
Und fällt auch Regen heut ohne Ende,
Es regnet Blumen in meine Hände.
Die Stund', die so durchs Zimmer geht,
Auf keiner Uhr als Ziffer steht;
Die Uhr zeigt heute keine Zeit,
Sie deutet hinaus in die Ewigkeit.

Max Dauthendey

Lust ist die höchste Not von allen Nöten

 Und der Akazienduft macht zwei, umarmt im Tanze, schwül erröten,
Kommt schwindelnd und betäubend dicht herbei
Und spricht: Lust ist die höchste Not von allen Nöten.

Akazienblüten an die Brust sich einstmals meine Liebste wählte,
Als sie bei keinem Abendtanz im Mai noch fehlte,
Und jähe Unruh', wie der Duft der Dolde, sie beständig quälte.
Heut nennt sie die Akazienblüt' beim Wiedersehen: Tänzerin!
Und deutet mit der Hand versonnen winkend zu ihr hin,
Als läge in dem einen Wort aller Genüsse Sinn.

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