> Gedichte und Zitate für alle: Mutters Hände- deutsche Gedichte Teil 7

2013-07-16

Mutters Hände- deutsche Gedichte Teil 7






Bruno Wille


Stimme der Mutter


 Lag ich als Kind
Schlaflos ängstlich,
Sang die Mutter
Mit sanfter Stimme,
Bis der Schlummer
Träumende Augen
Leise mir schloß.

Längst verklangen
Die Wiegenlieder;
Wuchs der Mutter
Über den Kopf ...
Wer singt heut mir
Tröstliche Lieder?

Das bist du,
Hehre Stimme
Im Gebrause
Des Frühlingssturmes
Und im Flüstern
Fallenden Regens.

Lauschen will ich und liegen
Wie ein Wiegekind
Singe, treue Mutter,
Schläfre dein banges Kind!

Kurt Tucholsky


Mutters Hände



Hast uns Stulln jeschnitten
un Kaffe jekocht
un de Töppe rübajeschohm -
un jewischt un jenäht
un jemacht un jedreht...
alles mit deine Hände.

Hast de Milch zujedeckt,
uns bobongs zujesteckt
un Zeitungen ausjetragen -
hast die Hemden jezählt
und Kartoffeln jeschält...
alles mit deine Hände.

Hast uns manches Mal
bei jroßem Schkandal
auch'n Katzenkopp jejeben.
Hast uns hochjebracht.
Wir wahn Sticker acht,
sechse sind noch am Leben...
Alles mit deine Hände.

Heiß warn se un kalt.
Nu sind se alt.
Nu bist du bald am Ende.
Da stehn wir nu hier,
und denn komm wir bei dir
und streicheln deine Hände.

Joachim Ringelnatz


Trost an eine Mutter



Starb dein Kind. Nun weine!
Und dann wirst du glücklich sein.
Denn das zarte, kleine
Leben schwand noch quellenrein.

Lausche, was mit frommen
Worten die Erinnerung spricht.
Schlimmes konnte kommen.
Nach dem Tode kommt es nicht.

Paßt ein Kinderröckchen
Niemals der erwachsenen Frau.
Abgeschnittene Kinderlöckchen
Werden nimmer grau.

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