> Gedichte und Zitate für alle: An Gott- Gedichte deutscher Dichter (8)

2013-08-11

An Gott- Gedichte deutscher Dichter (8)


Teil 8



Luise Hensel

Stilles Gotteslob

Ach, hätt’ ich Engelszungen,
Ich hätt’ euch wohl gesungen
Das süße, liebe Lied,
Das mir so still und selig
Im jungen Herzen glüht.
Ich weiß ja keine Weisen,
Den Herren so zu preisen
Den Vater, treu und mild,
Wie meine ganze Seele
Ihm singt und jauchzt und spielt.
Ich muß mein Haupt ihm neigen,
Kann weinen nur und schweigen
In Seligkeit und Schmerz.
Ach, Kind, er weiß dein Lieben,
Er sieht dir ja ins Herz.
Anna Louisa Karsch

An Gott

Erheb auf mich dein Angesicht,
Und laß mich deine Güte schmecken
Gott, der mich schuf! Es mag auch Dunkel oder Licht,
Vor meinem Auge dich verdecken;

O Herr! es mag ein Feuer-Meer
In tausend Strömen dich umgeben;
Verkleide dich im Sturm, und lasse rings umher
Die Welt vor deinem Wetter beben;

Laß deinen Blick, voll Gottes Macht,
Den Berg, die Felsen niederblitzen;
Verhülle deine Stirn mit Zorn und lasse Nacht,
Wo sonst der Tag regierte, sitzen;

Doch betet meine Liebe dich
Gott Schöpfer! an, tief unter Waffen,
Die dich umrauschen Herr! zum Leben hast du mich
Und nicht zum Untergang erschaffen!
Johann Wilhelm Ludwig Gleim:

Das Lied von Gott

"Ob wohl ein Gott im Himmel ist?"
Dacht' ich in meinem Zelt;
"Krieg hat der Türke, hat der Christ,
Krieg hat die ganze Welt!

Und wär ein Gott, so müßt' er wohl
Ein Gott des Friedens seyn!
Daß all' das Böse gut seyn soll,
Das will mir gar nicht ein!

Darum so scheints, es ist kein Gott;
Ein Gott hätt' alle Macht,
Zu tilgen aller Spötter Spott,
Und aller Fürsten Schlacht!

Was ists, daß er sie nicht gebraucht?
Den Frieden nicht gebeut?
Und daß noch manche Stäte raucht,
Von Kriegesgrausamkeit?

Ein Wort, dächt' ich, so wär' in Ruh
Das ganze Erdenrund!«
"Du Maulwurf!« dacht ich gleich hinzu
Mich schlagend auf den Mund!

Das Erdenrund ist nun einmal
Des Bösen Vaterland,
Wird aber einst ein Wonnethal
In seines Schöpfers Hand!

So dacht' ich! Und so denk' ich noch,
Und gehe meinen Pfad!
Bin, denk' ich einsam, bin ich doch
Ein ehrlicher Soldat!

Als solcher komm' ich doch einmal
Nach dieser kurzen Zeit,
Zu Gott dem Herrn ins Wonnethal
Der langen Ewigkeit!

Und sing' auf einem schönen Stern,
Ein ehrlicher Soldat,
Ein Loblied meinem Gott und Herrn,
Das sich gewaschen hat!

Keine Kommentare: