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2013-08-04

Arnim, Goethe, Hölderlin- Gedichte zum Thema Einladung 4




Achim von Arnim

Einladung zur Martinsgans


Wann der heilge Sankt Martin
Will der Bischof sehr entfliehn,
Sitzt er in dem Gänsestall
Niemand findt ihn überall,
Bis der Gänse groß Geschrey
Seine Sucher ruft herbey.

Nun dieweil das Gickgackslied
Diesen heilgen Mann verrieth,
Dafür thut am Martinstag
Man den Gänsen diese Plag,
Daß ein strenges Todesrecht
Gehn muß über ihr Geschlecht.

Drum wir billig halten auch
Diesen alten Martinsbrauch,
Laden fein zu diesem Fest
Unsre allerliebste Gäst
Auf die Martinsgänslein ein,
Bey Musik und kühlem Wein.
J.W.v.Goethe

Einladung

Mußt nicht vor dem Tage fliehen:
Denn der Tag, den du ereilest,
Ist nicht besser als der heut'ge;
Aber wenn du froh verweilest,
Wo ich mir die Welt beseit'ge,
Um die Welt an mich zu ziehen,
Bist du gleich mit mir geborgen:
Heut ist heute, morgen morgen,
Und was folgt und was vergangen,
Reißt nicht hin und bleibt nicht hangen.
Bleibe du, mein Allerliebstes;
Denn du bringst es, und du gibst es.
Elise Sommer

Die Einladung

Nach trüben Tagen stralt die Sonne wieder,
Die seidnen Flügel sanfter Weste wehn
Im stillen Thal, um waldbekränzte Höh'n;
Der Schmetterling schwingt froh sein zart Gefieder;

Ein heitrer Morgen lächelt auf uns nieder,
Die Sonne wallt noch einmal hold und schön
Durch die Natur; im jubelnden Getön'
Erschallen neubelebt der Sänger Lieder;

Doch höher noch wird jede Wonne heute
Der göttlichen Natur, an dessen Seite,
Der Geist und Herz sokratisch – mild vereint!

Du weisst es wohl, wen meine Seele meint;
Komm, edler Freund, zum Forst in jenen Garten,
Wo Sympathie und Freundschaft uns erwarten!
Friedrich Hölderlin

Einladung an Neuffer

Dein Morgen, Bruder, ging so schön hervor,
So herrlich schimmerte dein Morgenrot -
Und doch - und doch besiegt ein schwarzer Sturm
Das hehre Licht - und wälzet schreckenvoll
Den grimmen Donner auf dein sichres Haupt!
O Bruder! Bruder! daß dein Bild so wahr,
So schrecklich wahr des Lebens Wechsel deutet!
Daß Disteln hinter Blumengängen lauern -
Und Jammer auf die Rosenwange schielt!
Und bleicher Tod in Jünglingsadern schleicht,
Und bange Trennung treuer Freunde Los
Und edler Herzen Schicksal Druck und Kummer ist
Da baun wir Plane, träumen so entzückt
Vom nahen Ziel - und plötzlich, plötzlich zuckt
Ein Blitz herab, und öffnet uns die Augen!
Du frägst, warum dies all? - aus heller Laune.
Ich sah im Geist sich deine Stirne wölken,
In deiner Eingezogenheit - da ging
Ich trüben Blicks hinab zu meinem Neckar
Und sah in seine Wogen, bis mir schwindelte -
Und kehrte still und voll der dunklen Zukunft,
Und voll des Schicksals, welches unsrer wartet,
Zurück - und setzte mich, und also ward
Die - freilich nicht erbauliche - Tirade
Vom ungewissen Wechsel unsers Lebens.
Doch - komme du - du scherze mir Tiraden
Und Ahndungen der Zukunft von der Stirne weg,
O komm - es harret dein ein eigen Deckelglas -
Stiefmütterlich soll wahrlich nicht mein Fäßchen sein.
Und findst du schon kein Städtermahl, so würzet es
Doch meine Freundschaft, und der Meinen guter
Wille.

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