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2013-08-24

Der alte Mann- Gedichte von G.Engelke u. R.Dehmel zum Thema Mann 11


Teil 11



Gerrit Engelke

Der alte Mann

 Das Haus wuchs hoch
Im Stadtgewog.
Hinauf – hinaus der Mieter zog –
Geht alles seinen Gang.

Die Nacht vergeht,
Der Lärm ersteht.
Der Herbstwind nach dem Sommer weht –
Geht alles seinen Gang.

Der Junge lärmt.
Ein Weib sich härmt.
Der alte Mann die Hände wärmt –
Geht alles seinen Gang.

Ist Alles Wechsel ohne Ende,
Im Lebensjahr, im Schutz der Wände.
Geht alles seinen Gang –
Wie lang?
Gerrit Engelke

Der Mann spricht

 Du Weib bist Schale nur und Spiegel
Der Taten, die mein Hirn erzeugt,
Denn nur durch meines Kopfes Tiegel
Das All nach Immer-Formung keucht.
Ich bin der Mann, ich bin der Wille,
Und du bist Weib und bist die Stille –
Du bist die Ader, bist die Stirn,
Doch ich bin Blut und heißes Hirn,
Ich bin der Keim in deinem Schoß,
Ich sprenge ihn ganz mitleidlos.
Doch:
Bin ich auch Schrei und du nur Kehle,
Bin ich Orkan und du nur Ruh:
So bist du Leib doch meiner Seele:
Und Mensch bin ich und Mensch bist du!
Und nur als Eins sind wir Vollendung:
So wächst in unserm Einen Schoß
Mein Schöpferdrang in Taten groß:
Und du bist Werk und Alles-Endung.
 
Richard Dehmel

Der Arbeitsmann

Wir haben ein Bett, wir haben ein Kind,
mein Weib!
Wir haben auch Arbeit, und gar zu zweit,
und haben die Sonne und Regen und Wind,
und uns fehlt nur eine Kleinigkeit,
um so frei zu sein, wie die Vögel sind:
Nur Zeit.

Wenn wir Sonntags durch die Felder gehn,
mein Kind,
und über den Ähren weit und breit
das blaue Schwalbenvolk blitzen sehn,
oh, dann fehlt uns nicht das bisschen Kleid,
um so schön zu sein wie die Vögel sind:
Nur Zeit.

Nur Zeit! wir wittern Gewitterwind,
wir Volk.
Nur eine kleine Ewigkeit;
uns fehlt ja nichts, mein Weib, mein Kind,
als all das, was durch uns gedeiht,
um so kühn zu sein, wie die Vögel sind.

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