> Gedichte und Zitate für alle: Der "Dank" im Spiegel deutscher Gedichte (4)

2013-08-15

Der "Dank" im Spiegel deutscher Gedichte (4)


Teil 4



August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Hab' Dank, du lieber Wind!

 Ich bin in den Garten gegangen
Und mag nicht wieder hinaus.
Die goldigen Äpfel prangen
Mit ihren roten Wangen
Und laden ein zum Schmaus.

Wie ist es anzufangen?
Sie sind mir zu hoch und fern:
Ich sehe sie hangen und prangen
Und kann sie nicht erlangen,
Und hätte doch einen gern!

Da kommt der Wind aus dem Westen
Und schüttelt den Baum geschwind
Und weht herab von den Ästen
Den allerschönsten und besten –
Hab' Dank, du lieber Wind!
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Vögleins Dank

 Es sitzt ein Vogel in dem Ried,
Der singt ein traurig, traurig Lied:
Weh mir! weh mir! Der grimme West,
Er hat zerstört mein liebes Nest;
Die Halme liegen alle nieder –
Wer hilft mir wieder?

Der Frühling hört's, erbarmt sich sein,
Er spendet seinen Sonnenschein,
Und richtet auf noch früh am Tag
Das Ried, was ganz danieder lag:
»Nun bau', und singe deine Lieder
Nur fröhlich wieder!« –

Der Frühling hat erbarmt sich mein,
Nun kann ich wieder fröhlich sein.
Was ich zum Dank dir bringen kann,
Nimm, lieber Frühling, freundlich an:
Ich singe dir aus meinem Neste
Das Liebst' und Beste.

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