> Gedichte und Zitate für alle: Der Frieden im Spiegel von Gedichten (2)

2013-08-06

Der Frieden im Spiegel von Gedichten (2)



Teil 2


Karl Wilhelm Ramler

An den Frieden

Wo bist du hingeflohn, geliebter Friede?
Gen Himmel, in dein mütterliches Land?
Hast du dich, ihrer Ungerechtigkeiten müde,
Ganz von der Erde weggewandt?

    Wohnst du nicht noch auf einer von den Fluren
Des Oceans, in Klippen tief versteckt,
Wohin kein Wuchrer, keine Missethäter fuhren,
Die kein Eroberer entdeckt?


    Nicht, wo mit Wüsten rings umher bewehret,
Der Wilde sich in deinem Himmel dünkt?
Sich ruhig von den Früchten seines Palmbaums nähret?
Vom Safte seines Palmbaums trinkt?

    O! wo du wohnst, laß endlich dich erbitten:
Komm wieder, wo dein süßer Feldgesang
Von heerdevollen Hügeln, und aus Weinbeerhütten
Und unter Kornaltären klang.

    Sieh diese Schäfersitze, deine Freude,
Wie Städte lang, wie Rosengärten schön,
Nun sparsam, nun wie Bäumchen auf verbrannter Heide,
Wie Gras auf öden Mauern stehn.

    Die Winzerinnen halten nicht mehr Tänze;
Die jüngst verlobte Garbenbinderin
Trägt, ohne Saitenspiel und Lieder, ihre Kränze
Zum Dankaltare weinend hin.

    Denn ach! der Krieg verwüstet Saat und Reben
Und Korn und Most; vertilget Frucht und Stamm;
Erwürgt die frommen Mütter, die die Milch uns geben,
Erwürgt das kleine fromme Lamm.

    Mit unsern Rossen fährt er Donnerwagen,
Mit unsern Sicheln mäht er Menschen ab;
Den Vater hat er jüngst, er hat den Mann erschlagen,
Nun fodert er den Knaben ab.

    Erbarme dich des langen Jammers! rette
Von deinem Volk den armen Überrest!
Bind' an der Hölle Thor mit siebenfacher Kette
Auf ewig den Verderber fest.
Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Wir halten Frieden ewiglich
       
Wir halten Frieden ewiglich
Und bauen unser Feld,
Und unser Vater Friederich
Ist gern ein Friedens-Held!

Wenn aber Einer Listen hegt,
Und kriegrischen Verstand
Kehrt wider uns, und Waffen trägt
In unser Vaterland;

Dann steht der Pflug, dann lassen wir
Die Mutter, und das Weib,
Und gehn, Soldat, und Officier,
Dem Einen auf den Leib;

Und fodern Ehrlichkeit, und scheun
Nicht Säbelhieb, und Stich;
Wir zwingen ihn, gerecht zu seyn,
Wie unser Friederich;

Und wenn er's ist, dann löschen wir
Die Kriegesfackel aus;
Und gehn in Frieden, singend Dir,
Du Friedens-Gott, nach Haus!

Sehn wieder unsrer Hütten Rauch,
Baun wieder unser Land!
O! baute doch der Kaiser auch
Sein schönes Ungerland!






Lesen Sie auch: 

Frieden Teil 3

Frieden Teil 6

Keine Kommentare: