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2013-08-01

Der Wald in deutschen Gedichten (2)




Johann Gottfried Herder

Der Wald und der Wanderer

 Der Wald

Komm, o komm in meine Schatten
In der Ruhe Aufenthalt,
Wanderer der heißen Straße,
Wo Dein Herz unruhig wallt.

Meine frischen Zweige wehen
Lebenskraft dem Matten zu,
Und mein Atem duftet Balsam,
Neuen Muth und süße Ruh.

Schöner geht die Sonne nieder
Hinter meiner grünen Nacht;
Schöner kommt der Morgen wieder,
Wenn der Vögel Chor erwacht.

Schöner blinkt in mir die Quelle
Und der einsam stille See,
Wo die treue Turteltaube
Girret Deines Herzens Weh.

Der Wanderer

Rauschen Geister in den Lüften?
Spricht die Nymphe mir im Quell?
Oder steigen Götter nieder?
Denn mein Blick wird rein und hell.

Mit der Fichte Gipfel steiget
Meine Seele himmelwärts;
Mit der Birke Zweigen neiget
Sanft zur Ruhe sich mein Herz.

Und die grüne Fußtapete
Wiegt mich ein auf seidnem Moos;
Neben dieser goldnen Blume
Bin ich selig, und wie groß!

Horch! aus jener alten Eiche
Tönt ein Bardenton hervor,
Und der Fichten Gipfel sausen
Himmlischer; der Wald wird Chor:

"Wir, des Paradieses Geister,
In der Ruhe Aufenthalt,
Segnen Dich. Genieße fröhlich
Unsern heil'gen stillen Wald!"
Leopold Friedrich Günther von Goeckingk

Flur und Wald

 Wer darum nur die Morgenröthe grüßet,
Nur darum gern durch Saat und Hecken streicht,
Weil's ihn ergötzt, wenn durch sein Blei erreicht,
Ein Huhn die roten Aeuglein schließet;
Wer darum nur zum reinen Himmel blicket,
Nur darum seufzt: Wo bleibt der Abendstern?
Weil er im Lerchengarne, ach! so gern!
Das Köpfchen voll Gesang zerdrücket;
Wer darum nur dem Lärm' der Stadt entfliehet,
Nur darum in dem Rohr' der Teiche ruht,
Weil er so gern den Hecht, betrieft mit Blut,
Am Widerhaken zappeln siehet:
Der biete nie mir seinen Arm zum Gange
Durch Flur und Wald, wo mir die Lerche singt,
Das Rebhuhn zirpt, der Hecht im Teiche springt;
Weg mit dem Mann'! Er macht mich bange.
Nimm du, o Freund, mich auf in deine Arme!
Mit dir ging' ich, ich wüßte nicht, wie weit?
Du freuest dich, wenn ein Geschöpf sich freut,
Und härmst dich mit bei seinem Harme.




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