> Gedichte und Zitate für alle: Die Einladung im Gedicht Teil 8

2013-08-05

Die Einladung im Gedicht Teil 8







Theodor Däubler

Die Einladung

 Die Wolken glitzern um die höchste Stunde,
Ein jüngster Wind versilbert sacht den Wald;
Die Ölbäume bekennen sich zur Gottgewalt
Und zittern von Athenas Nahen Kunde.

Ihr Silberwispern frommt aus hehrem Munde;
Doch – Demeter vernehmbar bloß – erschallt
Ein Ruf der Zeus-Entragten, als Gestalt:
Beglück Athen, Erkorene zum Bunde!

Da löst von Kore sich die große Mutter,
Gehorcht der Tochter des Kroniden schlicht;
In Fuhren folgt ihr hochgestuftes Futter.

Viel Korn kommt an, auch Überschwang an Butter:
Der Stadt enthüllt sich Demeters Gesicht,
Für Opfer nickt sie – tiefumfleht – Verzicht.
Johanna Ambrosius

Einladung

Wie lange willst Du draußen stehen?
Komm‘ nur herein, Du lieber Gast,
Die Winde gar zu stürmisch wehen,
Komm‘, halt ein Weilchen bei mir Rast.
Vergebens gingst um Obdach bitten
Schon lange Du von Tür zu Tür,
Ich weiß, was Du dabei gelitten,
Komm‘, ruhe endlich aus bei mir!

Lass Dich getrost nur bei mir nieder,
In meine Hände leg‘ Dein Haupt,
Dann kommt gewiss der Frieden wieder,
Den Dir die böse Welt geraubt.
Dann steigt mit sanftem Flügelfächeln
Die Liebe aus des Herzens Grund,
Und zaubert Dein geliebtes Lächeln
Aufs neu‘ um Deinen ernsten Mund.

Komm‘, ruhe aus, ich will Dich halten,
So lang noch eine Ader schlägt,
Mein Herz wird nie für Dich erkalten,
Auf wenn man es zu Grabe trägt.
Du schaust mich an in zagem Sehnen,
Bleibst stumm ob der verheiß’nen Luft,
Und hast nur Tränen, nichts als Tränen,
Komm‘, wein‘ Dich aus an meiner Brust!









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