> Gedichte und Zitate für alle: Die Frau im Spiegel von Gedichten (5)

2013-08-19

Die Frau im Spiegel von Gedichten (5)



Teil 5



Andreas Gryphius

An eine Jungfrau

OB zwar eur eigen Lob hir gar nicht ist zu schauen 
So nemt doch von mir an / was diser Feder Pflicht
Vnd meine Pieris hat andern auffgericht /
Die ihr nur übertrefft / O Crone der Jungfrauen.

Die Schrancken sind zu klein; dem heiligen Vertrauen /
Der Demut / der Vernunfft / der Tugend hellem Licht
Dem keusch und sitsam seyn / dem himmlischen Gesicht
Kan in so kurtzer Schrifft ich kein' Altar auffbauen.

Vnd fing ich dennoch an / wo bliebe der Verstand
Die Jugend / das Geschlecht / des hohen Glückes Pfand /
Der Mutter Freundligkeit / des Vatern hohe Sinnen

Vnd beyder teurer Ruhm / der gantz euch einverleibt?
Vnd was noch mehr / ein Geist wie frey er immer schreibt?
Wie hoch er immer geht / nicht recht hat preisen können
Hans Aßmann von Abschatz

Die junge Frau und der alte Mann

 Die gantze Nacht sitzt mir der Floh in Ohren:
Mein Alter schnarcht/ wenn ich die Ruh verlohren.
Er kehret mir den kalten Rücken zu/
Wenn ich mit ihm am allerschönsten thu.

Der Hitze Macht kan Eiß und Steine zwingen/
Und keinen Saft aus diesem Felsen bringen.
Er fühlt vor mich zu wenig/ ich zu viel/
Die Karth entfällt ihm/ wenn ich spielen will.

Mein Mund/ gewohnt den Marmor zu entzünden/
Kan keine Glutt in seiner Asche finden.
Mein süsser Kuß/ mein Zug der linden Hand
Wird nur bey ihm vergebens angewandt.

Komm/ Liebe/ komm/ mir Aermsten Recht zu sprechen/
Komm meine Glutt/ wo nicht sein Eiß/ zu brechen/
Ich habe gnug bey seinem Schnee geschwizt/
Sein Eiß ist gnug bei meinem Brand erhizt.

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