> Gedichte und Zitate für alle: E.M.Arndt und J.Kerner- Gedichte zum Thema Wald 7

2013-08-02

E.M.Arndt und J.Kerner- Gedichte zum Thema Wald 7






Ernst Moritz Arndt

Der grüne Wald

O der süße, grüne Wald,
Wo wir einst in Wone klangen,
Wo wir spielten, wo wir sangen,
Wo wir tanzten Maientänze,
Wo wir pflückten Maienkränze,
O der süße, grüne Wald!
Wie er immer widerhallt
Wie er schallt:
Wilibald! Wilibald!

Schalle nur, du grüner Wald,
Rufe immer deinem Frommen,
Ach! Er kann nicht wiederkommen!
Blühet, Blumen, flüstert, Blätter,
Klinget, Vöglein, das Geschmetter
Eures Lenzes durch den Wald –
Bleich ist eure Lichtgestalt,
Stumm und kalt ,
Wilibald, Wilibald.

O du süßer, grüner Wald!
Wo wir nun in leisen Tränen
Uns nach unserm Liebling sehnen,
Nimmermehr im frischen Maien
Mit der jungen Lust juchheien –
Rufe ewig, grüner Wald,
Mit der Liebe Allgewalt,
Daß es schallt:
Wilibald! Wilibald!
Ernst Moritz Arndt:

Rausche durch den Wald

Rausche durch den Wald, rausche durch das Herz,
Tränenzorn, du frischer Lebenswind!
Schweige nicht das Wort, schweige nicht den Schmerz,
Rausche, du des Muts erstgebornes Kind!

Rausche, brause frisch! Klinge, schalle kühn,
Kühner, weil der Feigheit Pestilenz,
Deutsche Pest, uns leirt Welken und Verblühn,
Winterfrost und Tod vor dem deutschen Lenz.

»Wo ist Babel heut? Wo das alte Rom?
Welche Fahnen wehn heut vom Kapitol?
Wie kein Tropfen fließt je hinauf den Strom,
Find't erloschner Stern nimmer neuen Pol.«

Leiertest du so mit, verschneiter Greis?
Tod und Nacht, die deutsche Greisennacht,
Weil kein Kaiser kommt, welcher weist und weiß,
Was den deutschen Mut stark und fröhlich macht?

Feiger Memmen Klang tönest du so nach,
Weiberhoffen, Weiberzagen nach,
Weil noch immer kein Adlerflügelschlag
Klingt den langen Schlaf Barbarossas wach?

Nicht also mit dir! Nimm dir deutschen Schwung,
Deutscher! Nimm einmal dir den deutschen Stolz
Für dein großes Volk, unter Greisen jung,
Grün wie seines Waldes grünstes Eichenholz.

Nicht also mit dir! Rausche durch den Wald!
Rausche, brause, Zorn, durch Stein und Bein!
Brause, deutscher Mut, Gottes Zorngewalt!
Greif die Adler dir, laß die Krähen schrein.
Justinus Kerner  

Sehnsucht nach der Waldgegend

Wär' ich nie aus euch gegangen, 
Wälder, hehr und wunderbar! 
Hieltet liebend mich umfangen 
Doch so lange, lange Jahr.

Wo in euren Dämmerungen 
Vogelsang und Silberquell, 
Ist auch manches Lied entsprungen 
Meinem Busen, frisch und hell.

Euer Wogen, euer Hallen, 
Euer Säuseln nimmer müd', 
Eure Melodien alle 
Weckten in der Brust das Lied.

Hier in diesen weiten Triften 
Ist mir alles öd' und stumm, 
Und ich schau' in blauen Lüften 
Mich nach Wolkenbildern um

Wenn ihr's in den Busen zwinget, 
Regt sich selten nur das Lied: 
Wie der Vogel halb nur singet, 
Den von Baum und Blatt man schied.






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