> Gedichte und Zitate für alle: Fallersleben und Herwegh laden ein-Gedichte Teil 6

2013-08-04

Fallersleben und Herwegh laden ein-Gedichte Teil 6







August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Einladung zur Kirmeß

Der Nebel liegt auf Berg und Thal,
Das Feld ist leer, der Wald ist kahl,
Nur frischbesätes Land wird grün,
Nur hie und da noch Blumen blüh'n.

Es schwiegen längst des Waldes Sänger,
Der Tag wird kürzer, die Nacht wird länger.
Da denkt der Herbst: nun ist es Zeit,
Zu scheiden bin ich gern bereit.

Doch daß ihr freundlich denket mein,
So lad' ich euch zur Kirmeß ein.
Kommt, Jung und Alt und Groß und Klein,
Heut soll's für Jeden Kirmeß sein!
Georg Herwegh

Einladung in die Berge

Komm, mein Mädchen, in die Berge,
Wo der Himmel tiefer blaut
Und das stille Volk der Zwerge
Uns kristallne Schlösser baut.
Wo der Liebe morgenhellen
Traum kein Schleicherohr belauscht
Und: Triumph! von tausend Quellen
Der vereinte Donner rauscht.

Wie entfremdet ist die Erde,
Wie entweiht ihr Element,
Seit der Mensch mit Angstgebärde
Nur nach Schattenbildern rennt.
Wieviel Staub auf allen Wegen
Wühlt er auf zu seiner Ruh –
Komm, auf unbetretnen Stegen
Führ ich dich den Sternen zu!

Komm, wo kaum der Gemse Spuren
Reinstem Schnee sind eingedrückt
Und das Reich der Kreaturen
Lebt in erster Lust beglückt;
Dort, das Silberhaupt in Ehren,
Sieh den Gletscher! Welch ein Mann,
Den ein Sonnenblick verklären,
Aber nicht mehr schmelzen kann!

Komm, wo dir der Sturm die Locken
Aus der heißen Wange streicht,
Kaum der dumpfe Klang der Glocken
Und kein Glauben dich erreicht.
Während er im Tale zittert,
Losgebundner Knechte Schwarm,
Ruhen wir, wenn's hochgewittert,
Freudetrunken Arm in Arm.

Komm, mein Mädchen, laß dich fassen,
Tragen zu des Adlers Nest;
Menschen lieben, Menschen hassen,
Und wer bliebe felsenfest?
Was sie beten, was sie fluchen,
Ach, ich konnt es nie verstehn –
Blumen laß uns, Blumen suchen!
Mädchen, willst du mit mir gehn?
Karl Simrock

Einladung

Ein Wundergarten steht euch aufgefloßen
An Stauden reich, an Blumen und an Blüthen;
Aus tausend Kelchen, so die Bienen hüten,
Sind süße Düfte schmeichlerisch ergoßen.

Nicht Pflanzen nur und Moos und Kräuter sproßen,
Es prangt ein Hain, drin Aar und Taube brüten,
Und wenn die letzten Sonnenstralen glühten
Kommt Ariost mit Tasso dem Genoßen.

Petrarka wallt entzückt durch Lorbergänge,
Um Dantes Auge stralet Himmelswonne,
Auf neue Scherze scheint Boccaz zu sinnen.

O kommt ins Reich der Lieder und Gesänge,
Wo alle Träume reift die milde Sonne
Und alle Frauen heißen Königinnen.

Keine Kommentare: