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2013-08-22

Fontane, Bodenstedt und Jacobowski- Gedichte über Frauen 11





Friedrich von Bodenstedt

An Frau Julie Rettich

Als sie meine Gedichte vorgelesen

Natur und Kunst in schönem Einklang haben
Dich wunderbar geschmückt mit ihren Gaben;
Die Eine hat zur Andern Dich geführt
Und Jegliche zum Liebling Dich erkürt.
Du aber hast, was sie Dir reich gespendet,
Mit keuschem Sinn und maßvoll schön verwendet,
Hast die Natur durch Kunst in Dir verklärt,
Die Kunst durch die Natur in Dir genährt,
Daß Du, der in der Dichtung liegt, den Geist
Mit Deinem Geiste zu vermählen weißt,
Um einen neuen Geist daraus zu zeugen,
Davor die Dichter staunend selbst sich beugen.
Du lehrtest mich den Sinn erst meiner Lieder,
Gabst, was ich bot, mir hundertfältig wieder, 
Gleichwie die Saat, auf gutes Feld gestreut,
Lebendig wird, sich hundertfach erneut.
Wer so des Dichters Wort zu ehren weiß,
Dem ziemt vor Allem auch des Dichters Preis -
Und dieses Lied, zu Deinem Preis gesungen,
Ist mir aus voller, tiefster Brust entklungen. 
    Theodor Fontane 


Unsre "deutsche Frau"

Hierlandes ist unsre "deutsche Frau"
Noch immer aus Friesack oder Bernau,
Nur dem Kleinen gilt ihre Respektsbezeigung,
Aus Noth nicht, nein, aus purer Neigung,
Uralte Themen uralter Epochen
Werden am liebsten durchgesprochen:
Die Küche, die Wäsche, die Wohnung - und dann
(Unerschöpfliches Thema) "mein Mann, mein Mann."

"Mein Mann ist eigentlich viel zu gut,
Und kommt er mal gegen mich in Wut,
Ist es immer blos wegen der dummen Dinger,
Denen sieht er alles durch die Finger;
Eine Vierzehnjährige nennt er "Sie",
Mittwochs hat er Skatpartie.
Da würd' ich nun gern ins Theater gehn,
Aber, am Ende, was soll man sehn?
"Sodoms Ende" gilt ja für unmoralisch,
Schiller ist mir zu theatralisch

Und macht immer schöne Worte nur, -
Das Beste bleibt doch freie Natur:
Am großen Stern auf den Kaiser warten,
Concert im Zoologischen Garten,
Flamingo, Büffel, Pelikan,
Und Abends (zum Spargel) kommt "mein Mann"
Und Rudolf auch und die Zeit vergeht
Und der liebe Mond am Himmel steht." 


Ludwig Jacobowski

Frau Sorge

Durch die Abendhelle geht ein Pärchen hin,
Er ein Schmiedsgeselle, sie ist Nähterin.

"Rosel, wenn wir beide einen Karren ziehn,
Ist es doppelt Freude und ein halbes Mühn!"

Und sie lehnt sich müde an den Liebsten an;
Unterm Augenlide zuckt es dann und wann.

"Rosel laß das Weinen um das täglich' Brot;
War's genug für einen, langt's für zwei zur Not!"

Nahm sie in die Arme, fragte länger nicht,
Streichelte das warme, glühende Gesicht ...

Mählich wich die Helle, und sie gingen weit -- 
Auf dieselbe Stelle setzt' ein Weib sich breit,
Sah mit grauem Blicke, hob die welke Hand,
Drohte mit der Krücke, murmelte und schwand ...

Kam das Paar geschritten in die Stadt hinein,
Saß Frau Sorge mitten schon im Kämmerlein.

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