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2013-08-03

Heyse, Trakl, Heym -Gedichte- Wald 14






Georg Heym

Der Wald

Aus grüner Waldnacht ruft Gegurr der Tauben
Bald nah bald fern. Der Sonne Lichter irren
Ins Blätterdunkel. Kleine Vögel schwirren
Durch das Geranke und die Hopfentrauben.

Die großen Spinnen wohnen in dem Farne.
Voll blauen Scheines glänzt ihr Netz wie Tau.
Sie gleiten schnell auf ihrem schwanken Bau,
Und weben enger ihre weißen Garne.

Ein hohler Baum, vom Donner einst gespaltet
Vergeßner Zeit. Doch grünt noch sein Geäst.
Im Laube wohnt ein Schwan, der auf das Nest
Den schwarzen Mantel seiner Schwingen faltet.

Der alte Waldgott schläft im hohlen Baum.
Die Flöte graut von Moos, die ihm entsank.
In seiner Hand verflog der dünne Trank
Der kleinen Rehe in dem langen Traum.
Georg Trakl

Winkel am Wald

Braune Kastanien. Leise gleiten die alten Leute
In stilleren Abend; weich verwelken schöne Blätter.
Am Friedhof scherzt die Amsel mit dem toten Vetter,
Angelen gibt der blonde Lehrer das Geleite.

Des Todes reine Bilder schaun von Kirchenfenstern;
Doch wirkt ein blutiger Grund sehr trauervoll und düster.
Das Tor blieb heut verschlossen. Den Schlüssel hat der Küster.
Im Garten spricht die Schwester freundlich mit Gespenstern.

In alten Kellern reift der Wein ins Goldne, Klare.
Süß duften Äpfel. Freude glänzt nicht allzu ferne.
Den langen Abend hören Kinder Märchen gerne;
Auch zeigt sich sanftem Wahnsinn oft das Goldne, Wahre.

Das Blau fließt voll Reseden; in Zimmern Kerzenhelle.
Bescheidenen ist ihre Stätte wohl bereitet.
Den Saum des Walds hinab ein einsam Schicksal gleitet,
Die Nacht erscheint, der Ruhe Engel, auf der Schwelle.

Paul Heyse

Den Wald durchläuft verworrner Stimmen Klang

 Den Wald durchläuft verworrner Stimmen Klang,
Der Winde seufzender Gesang,
Des Taubers Gurren tief im Neste;
Am Tag der Mücken schwirrend Geigenspiel,
Und nun das Mondlicht durch die Büsche fiel,
Des Hirsches Ruf, der dumpfgepresste.

Horch! endlos sich verschlingend irrt und schweift
Das süße Flüstern. Welcher Sinn begreift,
Was die Natur hinstammelt sommertrunken!
Wir lauschten, unter Farn' und Dorngerank,
Vom Wald umsäuselt auf der dunklen Bank,
Und zählten hoch am Firmament die Funken.

Ich hielt den Mund dicht an dein Ohr gepreßt.
Weich wie das Vögelchen im Nest
An deinem Busen lag mein Herz gebettet.
Wir sprachen – was? wir wußten's selber nicht;
Ein Stammeln war's, wie wenn die Seele spricht,
Vom Bann der Weisheit losgekettet.

Wie Blume, Baum und Strauch war uns geschehn.
In unvernünftig sel'gem Einverstehn
Fing unser Innres wortlos an zu lallen.
Was Wunder! Sind nicht unsere Herzen auch
Ein Stück Natur, wie Blume, Baum und Strauch,
Des Einklangs froh mit den Geschwistern allen?

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