> Gedichte und Zitate für alle: .W.Busch -Bewaffneter Friede-Friedensgedichte 5

2013-08-06

.W.Busch -Bewaffneter Friede-Friedensgedichte 5



Teil 5


Theodor Fontane

Unser Friede

Ein Sommertag, wo man zu tiefer
     Siesta sich verpflichtet hält,
Wo Mücken nur und Ungeziefer
     So recht lebendig in der Welt,

Wo giftger Pesthauch auf zum Himmel
     Aus stehenden Gewässern steigt,
In deren Schlamm sich das Gewimmel
     Vielbeinigen Gewürmes zeigt:

Das ist der Friede, der uns schlimmer
     Als je ein Krieg zu werden droht,
Als je ein Krieg, der uns noch immer
     Ein offen Feld für Thaten bot;

Genüssler hegt jetzt unsre Jugend,
     Und Stockgelehrte allenfalls,
Doch jeder Kraft und Männertugend
     Brach dieser Friede schon den Hals. –

Doch wird die Sonn’ erst unerträglich,
     Und dörrt den Wald, und sengt die Flur,
Da hilft sich, auf gut-sommertäglich,
     Mit einem Schlage die Natur:

Die Donnerwolke blitzt und wettert,
     Und nimmt der Luft den giftgen Hauch,
Und wird auch mancher Baum zerschmettert,
     In faule Sümpfe schlägt es auch.

Welch Friede dann, wenn segenstrahlend
     Die Sonn’ im Westen untergeht,
Und dunkle Purpurrosen malend,
     Der Himmel wie in Flammen steht!

Wir baden uns im Hauch der Frische,
     Wie neugeboren ist das All,
Und in des Baumes Blätternische
     Schlägt lieblicher die Nachtigall.
Friederike Kempner

Frieden

 Immer kämpfen, immer streiten
Und das lohnt doch wahrlich nicht –
Und das Recht hat viele Seiten,
Und der Friede, er ist Pflicht.
 Conrad Ferdinand Meyer

Friede auf Erden

Da die Hirten ihre Herde
ließen und des Engels Worte
trugen durch die niedre Pforte
zu der Mutter und dem Kind,
fuhr das himmlische Gesind
fort, im Sternenraum zu singen,
fuhr der Himmel fort zu klingen:
Friede, Friede auf der Erde!"

Doch es ist ein ew'ger Glaube,
daß der Schwache nicht zum Raube
jeder frechen Mordgebärde
werden fallen allezeit:
Etwas wie Gerechtigkeit
webt und wirkt in Mord und Grauen,
und ein Reich will sich erbauen,
das den Frieden sucht auf Erde.

Seit die Engel so geraten,
o wie viele blut'ge Taten
hat der Streit auf wildem Pferde,
der geharnischte, vollbracht!
In wie mancher Heil'gen Nacht
sang der Chor der Geister zagend,
dringlich flehend, leis verklagend:
Friede, Friede ... auf der Erde!"

Mählich wird es sich gestalten,
seines heil'gen Amtes walten,
Waffen schmieden ohne Fährde,
Flammenschwerter für das Recht,
und in königlich Geschlecht
wird erblüh'n mit starken Söhnen,
dessen helle Tuben dröhnen:
Friede, Friede auf der Erde!"
Wilhelm Busch

Bewaffneter Friede

Ganz unverhofft, an einem Hügel,
Sind sich begegnet Fuchs und Igel.
»Halt«, rief der Fuchs, »du Bösewicht!
Kennst du des Königs Ordre nicht?
Ist nicht der Friede längst verkündigt,
Und weißt du nicht, daß jeder sündigt,
Der immer noch gerüstet geht? -
Im Namen Seiner Majestät,
Geh her und übergib dein Fell!«
Der Igel sprach: »Nur nicht so schnell!
Laß dir erst deine Zähne brechen,
Dann wollen wir uns weitersprechen.«
Und alsogleich macht er sich rund,
Schließt seinen dichten Stachelbund
Und trotzt getrost der ganzen Welt,
Bewaffnet, doch als Friedensheld.

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