> Gedichte und Zitate für alle: Wedekind, Klabund u. Rilke zum Thema Gott- Gedichte (14)

2013-08-13

Wedekind, Klabund u. Rilke zum Thema Gott- Gedichte (14)


Teil 14




Frank Wedekind

Gott und Welt

Ich bin ein Mensch von Fleisch und Blut,
Ich fange keine Grillen;
Ich kann des Fleisches Durst so gut
Wie den der Seele stillen.

Ich schwinge brünstig mich empor
Zu Gott in schwacher Stunde;
Und werd ich stark, heb ich den Flor
Von heiliger Todeswunde.

Weit öffnet sich der Arme Paar
Gleich hellen Tempelpforten;
Ich knie schluchzend am Altar,
Ich bete nicht in Worten.
 Rainer Maria Rilke

Gott im Mittelalter

Und sie hatten Ihn in sich erspart
und sie wollten, daß er sei und richte,
und sie hängten schließlich wie Gewichte
(zu verhindern seine Himmelfahrt)

an ihn ihrer großen Kathedralen
Last und Masse. Und er sollte nur
über seine grenzenlosen Zahlen
zeigend kreisen und wie eine Uhr

Zeichen geben ihrem Tun und Tagwerk.
Aber plötzlich kam er ganz in Gang,
und die Leute der entsetzten Stadt

ließen ihn, vor seiner Stimme bang,
weitergehn mit ausgehängtem Schlagwerk
und entflohn vor seinem Zifferblatt.
Klabund

Als Gott der Herr auf Erden ging

 Als Gott der Herr auf Erden ging,
Da freute sich ein jedes Ding;
Ein jedes Ding, ob gross, ob klein,
Es wollte doch gesegnet sein.

Die Kreatur in ihrer Not,
Der Mensch in Kümmernis und Tod,
Der breite Strom, das weite Land,
Sie fühlten Gottes Gnadenhand.

Es hört der Frosch zu quaken auf,
Der Hund hält inn in seinem Lauf,
Der Regen hätt geregnet nicht,
Bevor ihn Gott gesegnet nicht.

Der hohe Turm verneigte sich,
Die Antilope zeigte sich.
Und Efeulaub und Wiesengrün
Erkannten und lobpriesen ihn.

Von aller Art der Mensch allein
Geriet in Schand und Sündenpein.
Hätt er nicht Gott so oft verkannt,
Er ging noch heute durch das Land.

Hätt er nicht Gott so oft gesteint,
Wir wären noch mit ihm vereint.
Die Erde wär das Himmelreich
Und jeder Mensch ein Engel gleich.
Klabund

Es hat ein Gott

 Es hat ein Gott mich ausgekotzt,
Nun lieg ich da, ein Haufen Dreck,
Und komm und komme nicht vom Fleck.

Doch hat er es noch gut gemeint,
Er warf mich auf ein Wiesenland,
Mit Blumen selig bunt bespannt.

Ich bin ja noch so tatenjung.
Ihr Blumen sagt, ach, liebt ihr mich?
Gedeiht ihr nicht so reich durch mich?
Ich bin der Dung! Ich bin der Dung!
Maria Luise Weissmann

Don Quichote kämpft mit Gott

 Da Du mich segnen sollst, was frommt Dir dies,
Daß Deine Hand, Gewaltger, mich verstieß,
Daß Deine Kraft, Gesegneter, mich ließ,
Daß mich Dein Atem, Zürnender, verbließ?

Nun lieg ich irgendwo. Und ich bin nicht mehr
Als Staub im Staube, unerkennbar, sehr
Gering. Und schweift Dein großes Auge her
Auf meine Stätte, trübt sichs wolkig leer.

Ich aber laß Dich nicht. Da Du verneint
Mir ändern Kampf, sieh, Reiner, her: ich bot
Dich auf, in Pfützen spiegelnd, kämpfe, Feind

O Einziger mit Dir: Du würgst mich wenn
Der Staub mich würgt. In jede ärmste Not
Reiß ich Dich Gott: Du segnetest mich denn.








Keine Kommentare: