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2013-09-08

An die Freude-Gedichte zum Thema Freude (F.Schiller) (7)







Friedrich Schiller

An die Freude

 Freude, schöner Götterfunken,
  Tochter aus Elisium,
 Wir betreten feuertrunken,
  Himmlische, dein Heiligtum.
5Deine Zauber binden wieder,
  Was die Mode streng geteilt,
 Alle Menschen werden Brüder,
  Wo dein sanfter Flügel weilt.

  Chor

 Seid umschlungen Millionen!
  Diesen Kuß der ganzen Welt!
  Brüder – überm Sternenzelt
  Muß ein lieber Vater wohnen.

 Wem der große Wurf gelungen,
 Eines Freundes Freund zu sein,
 Wer ein holdes Weib errungen,
  Mische seinen Jubel ein!
 Ja – wer auch nur eine Seele
  Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer's nie gekonnt, der stehle
  Weinend sich aus diesem Bund!

  Chor

  Was den großen Ring bewohnet
  Huldige der Sympathie!
 Zu den Sternen leitet sie,
  Wo der Unbekannte tronet.

 Freude trinken alle Wesen
  An den Brüsten der Natur,
 Alle Guten, alle Bösen
 Folgen ihrer Rosenspur.
 Küsse gab sie uns und Reben
  Einen Freund, geprüft im Tod.
 Wollust ward dem Wurm gegeben,
  Und der Cherub steht vor Gott.

 Chor

  Ihr stürzt nieder, Millionen?
  Ahndest du den Schöpfer, Welt?
  Such ihn überm Sternenzelt,
  Über Sternen muß er wohnen.

Freude heißt die starke Feder
  In der ewigen Natur.
 Freude, Freude treibt die Räder
  In der großen Weltenuhr.
 Blumen lockt sie aus den Keimen,
 Sonnen aus dem Firmament,
 Sphären rollt sie in den Räumen,
  Die des Sehers Rohr nicht kennt.

  Chor

  Froh, wie seine Sonnen fliegen,
 Durch des Himmels prächt'gen Plan,
  Laufet Brüder eure Bahn,
  Freudig wie ein Held zum siegen.

 Aus der Wahrheit Feuerspiegel
  Lächelt sie den Forscher an.
Zu der Tugend steilem Hügel
  Leitet sie des Dulders Bahn.
 Auf des Glaubens Sonnenberge
  Sieht man ihre Fahnen wehn,
  Durch den Riss gesprengter Särge
 Sie im Chor der Engel stehn.

  Chor

  Duldet mutig Millionen!
  Duldet für die bess're Welt!
  Droben überm Sternenzelt
 Wird ein großer Gott belohnen.

 Göttern kann man nicht vergelten,
  Schön ist's ihnen gleich zu sein.
 Gram und Armut soll sich melden,
  Mit den Frohen sich erfreun.
Groll und Rache sei vergessen,
  Unserm Todfeind sei verziehn,
 Keine Träne soll ihn pressen,
  Keine Reue nage ihn.

  Chor

 Unser Schuldbuch sei vernichtet!
  Ausgesöhnt die ganze Welt!
  Brüder – überm Sternenzelt
  Richtet Gott, wie wir gerichtet.

  Freude sprudelt in Pokalen,
 In der Traube gold'nem Blut
 Trinken Sanftmut Kannibalen,
  Die Verzweiflung Heldenmut – –
 Brüder fliegt von euren Sitzen,
  Wenn der volle Römer kreist,
Laßt den Schaum zum Himmel spritzen:
  Dieses Glas dem guten Geist.

  Chor

  Den der Sterne Wirbel loben,
  Den des Seraphs Hymne preist,
 Dieses Glas dem guten Geist,
  Überm Sternenzelt dort oben!

 Festen Mut in schwerem Leiden,
  Hilfe, wo die Unschuld weint,
 Ewigkeit geschwor'nen Eiden,
 Wahrheit gegen Freund und Feind,
 Männerstolz vor Königsthronen, –
  Brüder, gält es Gut und Blut, –
 Dem Verdienste seine Kronen,
  Untergang der Lügenbrut!

 Chor

  Schließt den heil'gen Zirkel dichter,
  Schwört bei diesem gold'nen Wein:
  Dem Gelübde treu zu sein,
  Schwört es bei dem Sternenrichter!

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