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2013-09-18

An die Sonne- Gedichte zum Thema Sonne von Johann Gabriel Seidl 19




Johann Gabriel Seidl

Sonnenabschied
       
Solang' die Sonn' am Himmel sprühet
In vollster Glut, in hellster Pracht,
Stehn wir geblendet und durchglühet
Und huld'gen staunend ihrer Macht.

Wir fühlen, daß kein Glück, kein Leben
Hiernieden blüht ohn' ihren Strahl,
Und dulden willig und ergeben
Des schweren Dienstes süße Qual.

Doch abends, wenn sie von uns scheidet,
Beseufzt vom West, beweint vom Tau,
Dann sind die Höhn von Flor umkleidet,
Und Wehmut kommt aus Tal und Au.

Und sanfter, wie durch Tränen blinkend,
Nicht blendend strahlt sie, zögert lang',
Blickt oft zurück, und zeigt, versinkend,
Am schönsten sich im Untergang! –

O Liebe, gegenwärt'ge Liebe,
Der Sonn' am Mittag bist du gleich:
Wir schmachten hin in heißem Triebe,
Durch dich gequält und doch so reich.

Doch, Liebe, wenn es geht ans Scheiden,
Der Abendsonne gleichst du dann:
Da fangen erst die süßen Leiden
Der namenlosen Wehmut an;

Und diese langen, seelenvollen,
Unendlich milden Blick' ins Herz,
Die haften, doch nicht blenden wollen,
Und diese Glorie voll Schmerz;

Dies bange Zögern im Entschwinden,
Dies ewige Zurückesehn,
Und im Verlieren dieses Finden,
Und in der Trennung dies Verstehn!

Johann Gabriel Seidl

An die Sonne
                 
»Sei mir gegrüßt, leuchtendes Strahlenbild!
Du goldlockiges Haupt, das wie ein Feuermeer
Schwebt am Saume der Himmel,
Staunen erweckend in jeder Brust.

Schön im schimmernden Schmuck bläulichen Wogenschaum s
Hülle meidend, erhebt flammend dein Antlitz sich,
Und die Pfeile des Auges
Glühn wie Gold dir, Entzückende!

Doch was bebt in der Brust Tiefen, der Seele mir?
Warum bebet der Blick, schauet er, Sonne, dich?
Ist's dein mächtiger Zauber,
Der in heilige Furcht uns winkt?

Ja, du bist es, du trägst, hohe, der Gottheit Spur; –
Hell auf strahlende Bahn wies er den Sternenchor,
Gab dir, Sonne, den Schimmer
Als dein Funke dem Staub entglomm!

Hoch auf ragendem Thron stand der Erschaffende:
Nacht war's, düstere Nacht, als er die Welten schuf,
Das hellschimmernde Licht schuf,
Und dem eigenen Werk erstaunt.

Segnend blickst du herab, Sonne, zu uns herab;
Dir ergrünt das Gefild, woget das Ährengold;
Was fruchtbringend emporkeimt,
Reift dem lieblichen Strahlenkuß.

Doch, o Sonne, warum eilet dein Hochgespann,
Kaum als aus dem Gewoge glühend dein Wagen glitt,
Zitternd wieder in Osten?
Bist auch du nur für eine Zeit?

Nein! Wenn einstens mein Geist droben im Sternenland
Freier schwebet, dann auch grüße ich dich, Himmlische;
Sonne, grüß' ich die Sonne,
Die zum Thron des Erschaffers eilt!

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