> Gedichte und Zitate für alle: Das Heimweh im Spiegel deutscher Dichter-Gedichte 5

2013-09-16

Das Heimweh im Spiegel deutscher Dichter-Gedichte 5







Georg Herwegh

Heimweh

O Land, das mich so gastlich aufgenommen,
O rebenlaubumkränzter, stolzer Fluß -
Kaum bin ich eurer Schwelle nahgekommen,
Klingt schon mein Gruß herb wie ein Scheidegruß.
Was soll dem Auge eure Schönheit frommen,
Wenn diese arme Seele betteln muß?
Er ist so kalt, der fremde Sonnenschein;
Ich möchte, ja ich möcht' zu Hause sein!

Die Schwalben seh' ich schon im stillen Flug
Die Häuser - nur das meine nicht - umschweben,
O warme Luft, und doch nicht warm genug,
Verpflanzte Blumen wieder zu beleben!
Der Baum, der seine jungen Sprossen schlug,
Was wird dem Fremdling er im Herbste geben?
Vielleicht ein Kreuz und einen Totenschrein -
Mich friert, mich friert! ich möcht' zu Hause sein! 
Eduard Mörike

Heimweh

Anders wird die Welt mit jedem Schritt,
Den ich weiter von der Liebsten mache;
Mein Herz, das will nicht weiter mit.
Hier scheint die Sonne kalt ins Land,
Hier deucht mir alles unbekannt,
Sogar die Blumen am Bache!
Hat jede Sache
So fremd eine Miene, so falsch ein Gesicht.
Das Bächlein murmelt wohl und spricht:
Armer Knabe, komm bei mir vorüber,
Siehst auch hier Vergissmeinnicht!
- Ja, die sind schön an jedem Ort,
Aber nicht wie dort.
Fort, nur fort!

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