> Gedichte und Zitate für alle: Der Regen im Gedicht- P.Hille und A.Lichtenstein (10)

2013-09-07

Der Regen im Gedicht- P.Hille und A.Lichtenstein (10)


Teil 10





Peter Hille

Regentropfen

Regentropfen warm und groß
Machen aus der Nacht sich los,
Regentropfen warm und groß.
Da die Nacht steht ganz in Glanz,
Einen Augenblick da stands,
Ein Geisterantlitz, da entschwands.
Da, ein Blitz hat Licht gemacht,
Ganz in Glanz da stand die Nacht,
Da, ein Blitz hat Licht gemacht.
Helle wird im Lied das Leid,
Leuchtet auf wie ein Geschmeid,
Leuchtend wird im Lied das Leid.
Und da steht es in der Nacht
Still in seiner Geisterpracht
Steht sein Antlitz in der Nacht.
Liedertropfen warm und groß
Lösen aus dem Leid sich los,
Liedertropfen warm und groß.
Alfred Lichtenstein

Regennacht

Der Tag ist futsch. Der Himmel ist ersoffen.
Wie falsche Perlen hängen kleine Stumpen
zerhackten Lichts umher. Und machen offen
ein wenig Straße, ein paar Häuserklumpen.

Verfault ist alles sonst. Und aufgefressen
von schwarzem Nebel, der wie eine Mauer
herunterfällt und morsch ist. Und im Pressen
bröckelt wie Schutt der Regen – dichter – grauer –

Als wollte jeden Augenblick die ganze,
verseuchte Finsternis zusammensinken.
Wie eine seltsame ertrunkne Pflanze
unten im Sumpf siehst du ein Auto blinken.

Die ält’sten Huren kommen angekrochen
aus nassen Schatten – schwindsüchtige Kröten.
Dort schleicht eins. Dorten wird ein Schein erstochen.
Der Regensturz will alles übertöten …

Du aber wanderst durch die Wüsteneien.
Dein Kleid hängt schwer. Durchnässt sind deine Schuhe.
Dein Auge ist verrückt von Gier und Schreien
Und dieses treibt dich – und du hast nicht Ruhe:

Vielleicht erscheint inmitten düstrer Feuer
der Teufel selbst in der Gestalt des Schweines.
Vielleicht geschieht etwas ganz ungeheuer
Blödsinniges, Brutales, Hundsgemeines.

Keine Kommentare: