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2013-09-17

Deutsche Dichter zum Thema Sonne 16







Bettina von Arnim

Eilt die Sonne nieder zu dem Abend

Eilt die Sonne nieder zu dem Abend,
Löscht das kühle Blau in Purpurgluten,
Dämmrungsruhe trinken alle Gipfel.

Jauchzt die Flut hernieder silberschäumend,
Wallt gelassen nach verbrauster Jugend,
Wiegt der Sterne Bild im Wogenspiegel.

Hängt der Adler, ruhend hoch in Lüften,
Unbeweglich wie in tiefem Schlummer;
Regt kein Zweig sich, schweigen alle Winde.

Lächelnd mühelos in Götterrhythmen,
Wie den Nebel Himmelsglanz durchschreitet,
Schreitet Helios schwebend über Fluren.

Feucht vom Zaubertau der heil'gen Lippen
Strömt sein Lied den Geist von allen Geistern
Strömt die Kraft von allen Kräften nieder

In der Zeiten Schicksalsmelodien,
Die harmonisch ineinander spielen
Wie in Blumen hell und dunkle Farben.

Und verjüngter Weisheit frische Gipfel,
Hebt er aus dem Chaos alter Lügen
Aufwärts zu dem Geist der Ideale.

Wiegt dann sanft die Blumen an dem Ufer,
Die sein Lied von süßem Schlummer weckte,
Wieder durch ein süßes Lied in Schlummer.

Hätt ich nicht gesehen und gestaunet,
Hätt ich nicht dem Göttlichen gelauschet,
Und ich säh den heil'gen Glanz der Blumen,

Säh des frühen Morgens Lebensfülle,
Die Natur wie neugeboren atmet,
Wüßt ich doch, es ist kein Traum gewesen.
Ludwig Bechstein

Allvater rief: Es werde!
Da formte sich die Erde
In Finsternissen dicht;
Und, tausend Seligkeiten
Dem Weltall zu bereiten,
Begann der Herr zu scheiden
Die Finsterniß vom Licht.

Als nun aus dunkler Hülle
Des ewgen Achtes Fülle
Im Osten sich ergoß,
Da flammt' im Morgenrothe
Ein leuchtender Pilote,
Ein goldner Sonnenbote,
Hellstrahlend Phosphoros.

Der regt die Rosenschwingen,
Und Melodieen klingen
Durch alle Himmel hin,
Von Sternen, seinen Brüdern,
Die seinen Gruß erwiedern
Mit Sphärendonnerliedern,
Da — kam die Königin.

Sie ist im Strahlenprangen
Hellblendend aufgegangen,
Und Feuerest ihr Kleid.
Gott rief sie, daß sie bliebe
Quell aller Lebenstriebe,
Und Zeugin seiner Liebe
Wie seiner Herrlichkeit.

Kaum ist mit Engelmienen
Die Königin erschienen,
Und jede Blüthe bricht
Die Knospe mit Entzücken,
Den Erdball hold zu schmücken,
Und strebt mit Sehnsuchtblicken
Empor zum heil'gen Licht.

Erwachen muß, erwarmen,
Was tief in Schlummers
Armen In Mitternächten lag.
Es grüßt mit Wonnebeben
Ein jugendliches Streben,
Ein tausendfaches Leben
Den ersten Sonnentag.

Die Sonne schwimmt in hellen
Azurnen Aetherwellen
Auf glanzerfüllter Bahn,
Und blickt mit süßem Bangen
So lang sie aufgegangen,
Mit bräutlichem Verlangen
Den jungen Erdball an.

Jetzt geht an ferner Küste
Die Herrliche zu Rüste;
Was wohl die Sonne fühlt.
Wenn nun die Strahlenlose
Gleich einer Purpurrose
Im tiefen Meeresschooße
Die glüh'nden Wangen kühlt? —

Sie sank — das Leben trauert,
Vom ersten Weh durchschauert
Weint, was in Eden blüht.
Doch lindert dieses Leiden
Ihr Flammenkuß im Scheiden,
Der noch durch alle Zeiten
Als Abendröthe glüht.

Und rollt im Zeitstrom brausend
Jahrtausend auf Jahrtausend
Gleich Meereswogen fort;
So läßt doch all den Seinen,
Den Sündern wie den Reinen,
Die Segenssonne scheinen
Des Vaters Allmachtwort.

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