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2013-09-17

Friedrich Rückert zum Thema Sonne 17





Friedrich Rückert

Du wandelst ober der Sonne

Du wandelst ober der Sonne,
In einem anderen Licht;
Für deine höhere Wonne
Hab' ich die Sinne nicht.

Mich freut es hier vom frühen
Lichtblicke der Sonne mild
Mit Lächeln übersprühen
Zu sehn an der Wand dein Bild;

Und mehr noch, dich im Herzen
Zu tragen am Sonnenstrahl
Unter der Lüfte Scherzen
Durchs blühende Frühlingsthal.
Friedrich Rückert

Rose, Meer und Sonne

Rose, Meer und Sonne
Sind ein Bild der Liebsten mein,
Die mit ihrer Wonne
Faßt mein ganzes Leben ein.

Aller Glanz, ergossen,
Aller Tau der Frühlingsflur
Liegt vereint beschlossen
In dem Kelch der Rose nur.

Alle Farben ringen,
Aller Duft im Lenzgefild’,
Um hervorzubringen
Im Verein der Rose Bild.

Rose, Meer und Sonne
Sind ein Bild der Liebsten mein,
Die mit ihrer Wonne
Faßt mein ganzes Leben ein.

Alle Ströme haben
Ihren Lauf auf Erden bloß,
Um sich zu begraben
Sehnend in des Meeres Schoß.

Alle Quellen fließen
In den unerschöpften Grund,
Einen Kreis zu schliessen
Um der Erde blü’ndes Rund.

Rose, Meer und Sonne
Sind ein Bild der Liebsten mein,
Die mit ihrer Wonne
Faßt mein ganzes Leben ein.

Alle Stern’ un Lüften
Sind ein Liebesblick der Nacht,
In des Morgens Düften
Sterbend, wann der Tag erwacht.

Alle Weltenflammen,
Der zerstreute Himmelsglanz,
Fließen hell zusammen
In der Sonne Strahlenkranz.

Rose, Meer und Sonne
Sind ein Bild der Liebsten mein,
Die mit ihrer Wonne
Faßt mein ganzes Leben ein.
Friedrich Rückert

Sonne und Mond

Die Sonne sprach: »O Mond, ich wende
Der lieben Erde nun mich ab
Und lasse dich zurück; o spende
Ihr alles das, was ich nicht gab.
Ich gab ihr die Erregung
Des Lichtes und der Lust,
Verleih' ihr nun die Hegung
Des Glücks in stiller Brust.

Wo sengend trafen meine Strahle
Darauf geuß einen Tropfen Tau,
Und was durch mich gewelkt im Thale,
Das zu erfrischen atme lau.
Und was ich den Gedanken
Nicht zeigen durft' im Raum,
Das laß der Seele Ranken
Umfahn in duft'gem Traum.

Und wenn ich kehr' am Morgen wieder,
Will ich mich deiner Hilfe freun;
Gelabte Schläfer werden Lieder,
Erwachte Blumen Weihrauch streun.
Jedwede Knosp' am Baume,
Von dir gepflegt, gedeiht,
Und was du gabst im Traume,
Mach' ich zur Wirklichkeit.«

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