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2013-09-14

Gebet an den Sturm- Wilhelm Arent 13







Wilhelm Arent

Gebet an den Sturm

 Hinaus aus meines Zimmers dumpfer Schwüle!
Sieh draußen das Gewitter thronen!
Erbrause Sturm, die heiße Stirn mir kühle,
Dahinter rasen die Dämonen.
Hei, wie die Blitze zucken durch die Nacht,
Wie plötzlich sie mit jäher Flammenpracht,
Den Zorn des Ew'gen in die Wolken funkelnd schreiben
Ob seiner Menschheit nicht'gem, blassem Treiben.

So küsse mir vom Aug' die grauen Sorgen
Und kose mir die glühenden Wangen,
Und halte mich an deiner Brust geborgen
In wildem, brausendem Umfangen.
Aus deiner Flammenschrift, da lass' mich lesen
Das große Weltgedicht von Uranfang gewesen,
Die grimmen alten Lieder lass' im Donner hallen,
Die alle Schöpfung singt und Menschenzungen lallen.

Wenn du der Locken wall'nde Fluten
Um's Haupt dir schüttelst, hoch umwittert,
Die Riesenfaust, in der die Blitze ruhten,
Was ihr entgegentrat, voll Wuth zersplittert –
Dann jauchzt dir zu mein heißes, brünstiges Beten;
Gieb mir von deiner Kraft, lass' mich zertreten,
Was meine Seele hemmt, die Götzen mich zerschlagen!
Erhör' mich, Geist des Sturms, bann' mir das kranke Zagen. –

Der du mit schwarzem Fittig durch die Nächte
Dahinjagst unter Donner und Zerstörung,
Dich, dessen einz'ger Blick den Tod mir brächte,
Fleh' ich um gnädige Erhörung!
O gieb mir Frieden, süßen Sturmesfrieden,
Und banne mir des Herzens Eumeniden,
Den wilden Schwarm der Furien, die noch keinen ließen,
Die Grauen vor mir selbst mir in die Seele gießen.

Hörst du des Herzens wildgepreßtes Aechzen,
Wie es erzuckt von alten Qualen?
O lass' es länger nicht nach Liebe lechzen
Und bluten wie aus tausend Malen.
Nick' mir Gewährung mit den finstern Brauen,
Lass' fühlen mich das wunderbare Grauen,
Die Schmerzenslust am Sein bei deinem Wehen,
Die Seligkeit in deinem Atem zu vergehen.

Die Schöpfung hat erweckt aus ihren Träumen
Dein großer Ruf, dein schweres Grollen,
Ich fühl' sie sich in mir und um mich bäumen,
Wenn deine Blitze zucken, Donner rollen.
Hier stehe ich! Wie meine Haare fliegen
Und eng sich fürchtend um die Schläfe schmiegen!
Wie meine Brust sich weitet, daß sie ganz dich fasse
Und nimmer deinen Geist aus ihren Tiefen lasse.

Du zogst an mir vorbei mit grellen Schlägen
Und Flammenschein und Sturmestosen –
Du gabst mir den gewalt'gen Vatersegen
Und Hoffnung mir dem Hoffnungslosen?
Dem Herzen schwand, was feige es durchzittert
Und deines Athems Hauch mich noch umwittert –
Fern deine Wolken starr'n wie eis'ge Bergeshöh'n ...
Die Sonne feiert bald blutroth ihr Auferstehn. – – –

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