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2013-09-20

Gedichte von August Kopisch- Die Nissen 8







Die Nissen

Schelte keiner mir die Nissen!
Wer’s nicht weiß, soll nun es wissen,
Mann und Weib und Knecht und Kind,
Was die wahren Nissen sind.

Geister sind es, kleine Geister,
Aller Firlefanze Meister;
Kümmern sich um Gicks und Gacks,
Freuen sich des Schabernacks.

Wohnen in den meisten Fällen
Und am liebsten in den Ställen,
Hocken um die Ofenbank,
Striegeln auch die Pferde blank.

Holen Wasser aus dem Bronnen,
Werfen Kreuzer in die Tonnen;
Hält ein Knecht sich ordentlich,
Hilft der Niss’ ihm sicherlich.

Fehlt ihm Futter, holt er Haber
Bei dem Nachbar, aber, aber
Er bezahlt ihn nicht, bei Nacht
stiehlt er ihn behend und sacht.

Alles trägt er zu dem Knechte,
Giebt die Peitsch’ ihm in die Rechte;
Fährt der Knecht hinaus mit Schall,
Ruft er: pnaff! zum Peitschenknall.

Um den Schlitten, um den schnellen,
Hüpft er gern und schlägt die Schellen
Daß es gellt und klickt und klackt,
Daß es in den Ohren knackt.

Wenn sich Treuverliebte küssen,
Läßt er ihre Lust sie büßen;
Treuen Mädchen gibt er flink
Einen goldnen Fingerring.

Will der Falsche sie erwischen,
Schiebt der Niss’ ein Brett dazwischen,
Daß er mit der Nas’ anrennt,
Ruft dazu: der Kessel brennt!

Gut weiß er ein Bein zu stellen,
Daß man muß zu Boden prellen,
Neckt manch übermüthig Blut,
Doch er steht für Schaden gut.

Grau die Jacke, roth die Kappe, 
Stapfet er mit Tipp und Tappe
Auf und ab den Treppenflur,
Ist verschwunden ohne Spur.

Gucket wieder da und dorten,
Rechts und links und aller Orten,
Giebt wohl manchen Zwick und Stoß
Wer ihn hat, wird ihn nicht los.

Laß ihn schurren, laß ihn schwärmen
Und mit tausend Töpfen lärmen:
Hast du doch ein lustig Haus,
Bruder, mach dir nichts daraus!







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