> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte zum Thema Allerseelen (Trakl, Heyse) 3

2013-09-10

Gedichte zum Thema Allerseelen (Trakl, Heyse) 3






Paul Heyse

Allerseelen

 Was säuselt in den Lüften?
Was singt im Gemüt?
Ist's Frühling, ist's Liebe,
Was neu mir erblüht?

Ach, hörst du nicht sausen
Den Herbstwind im Baum?
Ach, ging nicht die Liebe
Dahin wie ein Traum?

Vom Hügel, darunter
Sie schlummert schon lang,
Klingt leise das Liedchen
Das einst sie dir sang:

Es findet die Liebe
Im Grabe nicht Ruh;
Am Tag Allerseelen
Da winkt sie dir zu.

Am Tag Allerseelen
Da weckt sie der Schmerz,
Da sucht sie den Liebsten
Und küsst ihn aufs Herz.
Georg Trakl

Allerseelen

Die Männlein, Weiblein, traurige Gesellen,
Sie streuen heute Blumen blau und rot
Auf ihre Grüfte, die sich zag erhellen.
Sie tun wie arme Puppen vor dem Tod.

O! wie sie hier voll Angst und Demut scheinen,
Wie Schatten hinter schwarzen Büschen stehn.
Im Herbstwind klagt der Ungebornen Weinen,
Auch sieht man Lichter in die Irre gehn.

Das Seufzen Liebender haucht in Gezweigen
Und dort verwest die Mutter mit dem Kind.
Unwirklich scheinet der Lebendigen Reigen
Und wunderlich zerstreut im Abendwind.

Ihr Leben ist so wirr, voll trüber Plagen.
Erbarm’ dich Gott der Frauen Höll und Qual,
Und dieser hoffnungslosen Todesklagen.

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