> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte zum Thema Gesang Teil 20 (Mörike und Eichrodt)

2013-09-07

Gedichte zum Thema Gesang Teil 20 (Mörike und Eichrodt)


Teil 14


Eduard Mörike

Gesang zu zweien in der Nacht

Sie:

Wie süß der Nachtwind nun die Wiese streift;
Und klingend jetzt den jungen Hain durchläuft!
Da noch der freche Tag verstummt,
Hört man der Erdenkräfte flüsterndes Gedränge,
Das aufwärts in die zärtlichen Gesänge
Der reingestimmten Lüfte summt.


Er:

Vernehm ich doch die wunderbarsten Stimmen,
Vom lauen Wind wollüstig hingeschleift,
Indes, mit ungewissem Licht gestreift,
Der Himmel selber scheinet hinzuschwimmen.


Sie:

Wie ein Gewebe zuckt die Luft manchmal,
Durchsichtiger und heller aufzuwehen;
Dazwischen hört man weiche Töne gehen
Von sel'gen Feen, die im blauen Saal
Zum Sphärenklang,
Und fleißig mit Gesang
Silberne Spindeln hin und wider drehen.
Er:

O holde Nacht, du gehst mit leisem Tritt
Auf schwarzem Samt, der nur am Tage grünet,
Und luftig schwirrender Musik bedienet
Sich nun dein Fuss zum leichten Schritt,
Womit du Stund um Stunde missest,
Dich lieblich in dir selbst vergissest -
Du schwärmst, es schwärmt der Schöpfung Seele
mit!

Ludwig Eichrodt

Gesang der guten Seelen

Stoßt an mit fröhlichem Singen,
Und seid drei Farben hold,
Schön dunkel sind die Straßen,
Schön rot sind unsre Nasen,
Der Wein ist pures Gold!

Wo unsre Farben gelten,
Verschwindet alles Leid;
Wir sind ein Volk von Brüdern,
Und Freiheit in den Liedern
Sie kommt in Wirklichkeit.

Zwar sind verpönt die Farben
Im deutschen Vaterland;
Ach, nur in stillen Symbolen
Verehret sie verstohlen,
Ein trauter Zechverband.

Ob alle untreu werden,
Wir bleiben den Farben hold!
Wir halten sie hoch in Ehren,
Wir werden die Welt bekehren
Zum Schwarz und Rot und Gold!

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