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2013-09-10

Maximilian Bern- Allerseelen- Gedichte zum Thema Allerseelen (5)



 Maximilian Bern

Allerseelen

Der Tag ist trüb,
Der Himmel grau;
Am feuchten Fenster
Steh' ich und schau'
Hinaus in den Regen,
Hinab auf den Grund
Der Straße, die zu dieser Stund'
Von Menschen erfüllt
In schwarzem Gewand. - 
Viel Lichter und Kränze in der Hand,
Ziehn sie zu Wagen und zu Fuß
An mir vorüber im Regenguss.

Den Toten, den Toten
Gehört der Tag! 
Die Erinn'rung heut,
Jeder Herzensschlag!
Jede Träne, die im Auge brennt,
Jeder Name, den man weinend nennt, -
Den Toten, den Toten!

Ich stürme nicht mit 
Zum Friedhof hinaus;
Ich feiere Allerseelen zu Haus.
In düsterer Stube,
Im stillen Raum
Durchträum' ich einen
Entschwundenen Traum,
Fühl' tote Liebe
Ich auferstehn,
Seh' ein bleiche Weib ich 
Um Gnade flehn:
Ein Weib, das im Leichtsinn
Verkam und verdarb,
Im Glanze lebte,
Im Elend starb. -
Entstiegen dem Grabe,
Starrt reuig mich an,
Die tiefstes Leid mir
Einst angetan;
Die sie auf dem Kirchhof 
Des Spittels versenkt,
Und deren mein Herz heut
Vergebend gedenkt. - - 

Es pocht der Regen 
An meine Scheiben,
Noch herrscht auf der Straße
Ein hastiges Treiben;
Noch stürmet alles
Zur Totenstadt,
Wo mancher sein Glück 
Begraben hat.

O, eilt nur zum Friedhof
In wirrem Gewühle,
Vereint im Gefühle 
Des Schmerzes hinaus!
Nichts Traurigeres
Als Allerseelen
Verwaist und verlassen 
Im einsamen Haus!






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