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2013-09-01

Platen, Tieck und Schwab zum Thema Gesang-Gedichte (9)



Teil 9


August von Platen

Gesang der Toten
     
Dich Wandersmann dort oben
Beneiden wir so sehr,
Du gehst von Luft umwoben,
Du hauchst im Äthermeer.

Wir sind zu Staub verwandelt
In dumpfer Grüfte Schoss:
O selig, wer noch wandelt,
Wie preisen wir sein Los!

Vom Sonnenstrahl umschwärmt,
Ergehst du dich im Licht,
Doch was die Flächen wärmet,
Die Tiefe wärmt es nicht.

Dir flimmert gleich Gestirnen
Der Blumen bunter Glanz,
An unsern nackten Stirnen
Klebt ein verstäubter Kranz.

Wir horchen, ach! wir lauschen,
Wo nie ein Schall sich regt;
Dir klingt der Quell, es rauschen
Die Blätter sturmbewegt.

Vom Hügel aus die Lande
Vergnügt beschaust du dir,
Doch unter seinem Sande,
Du Guter, schlafen wir.
Ludwig Tieck

Gesang

Wann du erhebst den lichten Ton zum Singen,
Und den tiefen goldnen Klang drein giesset,
Von Clara's Zaubermund ein Feuer fließet,
Seh ich die Himmelsgeister lieblich ringen.

Bald wollen die Gespielen dich bezwingen,
Von deiner Süsse wird ihr Zorn versüsset,
Doch wie der lichte Ton wie Morgen grüsset,
Muß ihn das klingende Meer in Wellen schlingen.

Bald schwimmt er oben wieder wie die Blume,
Die Wogen kämpfen, und er wird ein Strahlen,
Er zuckt wie Liebesblitze in den Wellen,

Kristalle leuchten freundlich, in den hellen
Spiegeln muß sich dein herrlich Bildniß mahlen,
Maria steht gekrönt im Heiligthume.
Gustav Schwab

An den Gesang

Wir kommen, uns in dir zu baden,
Gesang, vor dein krystallnes Haus;
Dein Rauschen hat uns eingeladen,
Geuß nur die klaren Wellen aus;
Denn deine reiche Fülle beut,
Was starke Männerseelen freut.

Die Liebe wogt auf deinen Wellen
Und strömt in dir durch jedes Herz;
Du lehrest ihre Seufzer schwellen,
Und lösest heilend ihren Schmerz.
Aus deinem Spiegel wallt ihr Glück
In tausendfachem Stral zurück.

Der feste Glaube will er wanken,
In deinem Quelle stärkt er sich;
Da wachsen Flügel dem Gedanken,
Dem Auge tagt es wonniglich;
Es schaut in deiner blauen Flut
Den Himmel und das ew'ge Gut.

Die Freiheit kommt auf dir geschwommen,
Hat deiner Arche sich vertraut;
Wird ihr das kühne Wort genommen,
So tauchet sie sich in den Laut,
Sie schifft aus Griechenland und Rom,
Ein sel'ger Schwan, auf deinem Strom.

Wenn deine Wogen uns umschlingen,
So wissen wir, was Freundschaft heißt:
So stark und einig, wie wir singen,
So stark und einig ist ihr Geist.
Viel Kehlen und ein einz'ger Sang,
Viel Seelen in verbundnem Drang.

Auch dieses glühnde Blut der Reben
Wird erst in deiner Mischung mild;
Du machst, daß mit ihm reinres Leben
In allen unsern Adern quillt;
Du stimmest unsern Gläserklang:
Gedeihe, festlicher Gesang!

Ja, deinen Segen zu verbreiten
Hast du uns Brüder ausgesandt;
Wir wollen deine Ströme leiten
Hinaus ins liebe Vaterland;
Und wo sie fließen, wo sie glühn.

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