> Gedichte und Zitate für alle: Regen-Sommer- Gedichte zum Regen von G.Keller (7)

2013-09-07

Regen-Sommer- Gedichte zum Regen von G.Keller (7)


Regen 7





 Gottfried Keller

Regen-Sommer

Nasser Staub auf allen Wegen!
Dorn und Distel hängt voll Regen
Und der Bach schreit wie ein Kind!
Nirgends blüht ein Regenbogen,
Ach, die Sonn' ist weggezogen
Und der Himmel taub und blind.

Traurig ruh'n des Waldes Lieder,
Alle Saat liegt siech darnieder,
Frierend schläft der Wachtel Brut.
Jahreshoffnung, fahler Schimmer!
Mit den Menschen steht's noch schlimmer,
Kalt und träge schleicht ihr Blut!

Krankes Weib am Findelsteine
Mit dem Säugling, weine! weine
Trostlos oder hoffnungsvoll:
Nicht im Feld und auf den Bäumen -
In den Herzen muß es keimen
Wenn es besser werden soll!

Fleh' zu Gott, der ja die Saaten
Und das Menschenherz beraten,
Bete heiß und immerdar,
Das er, unsre Not zu wenden,
Wolle Licht und Wärme senden
Und ein gutes Menschenjahr! 
Gottfried Keller

Abendregen

Langsam und schimmernd fiel ein Regen,
In den die Abendsonne schien;
Der Wandrer schritt auf schmalen Wegen
Mit düstrer Seele drunter hin.
Er sah die grossen Tropfen blinken
Im Fallen durch den goldnen Strahl;
Er fühlt es kühl aufs Haupt ihm sinken
Und sprach mit schauernd süßer Qual:
»Nun weiss ich, dass ein Regenbogen
Sich hoch um meine Stirne zieht,
Den auf dem Pfad, so ich gezogen,
Die heitre Ferne spielend sieht.
Und die mir hier am nächsten stehen,
Und wer mich wohl zu kennen meint,
Sie können selber doch nicht sehen,
Wie er versöhnend ob mir scheint.
So wird, wenn andre Tage kamen,
Die sonnig auf dies Heute sehn,
Um meinen fernen blassen Namen
Des Friedens heller Bogen stehn.«

Keine Kommentare: