> Gedichte und Zitate für alle: Regen und Sonne- Deutsche Dichter in Gedichten zur Sonne (25)

2013-09-22

Regen und Sonne- Deutsche Dichter in Gedichten zur Sonne (25)






Heinrich Seidel

Regen und Sonne

Trinken, trinken! Alles trinket:
Wald und Wiese, Berg und Flur,
Busch und Baum mit allen Blättern -
Ich allein soll dursten nur?!
Nein, im Krug zur gold'nen Sonne
Giebt es sonnig klaren Wein -
Braunes Mädchen, meine Wonne,
Meine Sonne, schenk mir ein!

Sonne droben mault in Wolken -
Sonne drunten strahlt all' Stund.
Jene Sonne dörrt die Kehle -
Diese feuchtet Herz und Mund.
Und die allerschönste Sonne,
Sie kredenzet mir den Wein:
Braunes Mädchen, meine Wonne,
Meine Sonne, schenk mir ein!

Draußen ist die Welt versunken
In die schaale Wasserfluth;
Doch hier drinnen sprüht in Funken
Sonnenschein und Sonnengluth.
Aus der Flasche, aus der Tonne,
Strömt der ächte Sonnenschein!
Braunes Mädchen, meine Wonne,
Meine Sonne, schenk mir ein!
Peter Hille

Der Sonne Geburtstag
(Bei Goslar)
       
Die Schieferdächer zottig und breit,
Noch wacht kein einzig Haus,
Zartklare Gegend und Einsamkeit,
Da jubelt ein Vöglein sich aus.

Die Sonne zu grüßen, so steigt es hinan
In reiner und reineres Blau,
Bis man es nicht mehr sehen kann,
Nun jubelt die Himmelsau.

Die Schieferdächer zottig und lang,
Schroff ragt ein Berg einher,
Die Mondsichel zart und morgenbang,
Da Wolkenfleisch, blühend und schwer.

Die Lerche hat die Sonne gesehn
Und sinkt nun wieder zu Tal,
Das hören die Morgenwinde und wehn,
Froh glühen die Wölklein zumal.

Kirschbäume stehn und richten sich aus
Und schauen stumm sich um,
Wie Kinder stehn mit Spruch und Strauß
So köstlich blöd und dumm.

Siehe, da blitzt es freudig erhellt,
Da hebt es sich und steigt,
Das liebeleuchtende Antlitz der Welt,
Und unsre Seele schweigt.
 Otto Julius Bierbaum

Sonnenaufgang

Rauch über Acker und Moor;
Ueber das ganze Land
Ist, aus Nebeln gerafft,
Riesig ein Netz gespannt.

Wird Leviathan gejagt,
Da er entstiegen dem Meer?
Hui, wie tobt er im Netz,
Schleppt es und schleift es umher.

Sieh! Da blendets im Ost:
Offen der Himmel, es schießt
Goldene Speere der Tag,
Und der Wurm zerfließt.

Hoch seinen goldenen Schild
Ueber den Wolkenwall
Hebt der siegende Tag;
Licht lacht über das All.

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