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2013-09-22

Sonnengedichte deutscher Dichter (27)






Wilhelm Busch

Dich freut die warme Sonne.
    Du lebst im Monat Mai.
In deiner Regentonne
    Da rührt sich allerlei.

Viel kleine Thierlein steigen
    Bald auf- bald niederwärts,
Und, was besonders eigen,
    Sie atmen mit dem Sterz.

Noch sind sie ohne Tücken,
    Rein kindlich ist ihr Sinn.
Bald aber sind sie Mücken
    Und fliegen frei dahin.

Sie fliegen auf und nieder
    Im Abendsonnenglanz
Und singen feine Lieder
    Bei ihrem Hochzeitstanz.

Du gehst zu Bett um zehne,
    Du hast zu schlafen vor,
Dann hörst du jene Töne
    Ganz dicht an deinem Ohr.

Drückst du auch in die Kissen
    Dein werthes Angesicht,
Dich wird zu finden wissen
    Der Rüssel, welcher sticht.

Merkst du, daß er dich impfe,
    So reib mit Salmiak
Und dreh dich um und schimpfe
    Auf dieses Mückenpack. 
  Paul Heyse

Am blauen Bergeshorizont
Glüht auf der Mond.
Es hellt sein düsterwildes Licht
Die Trübe nicht.

Wir wandeln traurig Hand in Hand
Durchs Totenland.
Was jedes denkt so weit von Haus,
Spricht keines aus.

Ein Nachglanz von verlornem Glück
Blieb uns zurück –
Es hellt sein rotverweintes Licht
Die Trübe nicht!
Georg Busse-Palma

Sonne
O Braut des Himmels, sel'ge Sonne, sage:
Du kennst die Sehnsucht, die mein Herz verzehrt, -
Was tat die Kleine heut so früh am Tage?
Ach, allzu heimlich hab' ich sie gehört!

Die Sonne spricht: sie ging in ihren Garten.
Wie wartend stand sie in dem Blütenblust,
Und als die Riegel deines Fensters knarrten,
Erschrak die Rose vorn an ihrer Brust.

Dann sah sie lange noch nach deinen Schwellen
Und sprach zu mir: O daß er endlich käm'
Und mich schon heut als seinen Herzgesellen,
Wie dich der Himmel, in die Arme nähm'!

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