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2013-09-14

Stille nach dem Sturm-Gedichte zum Thema Sturm 14






Otto Julius Bierbaum

Sturmlied

Wild stieß der Sturm durch die Nacht.
In den schwarzen Ästen der alten Eiche
Harfte er gellend ein Tanzlied der Kraft:

Über die Berge und Wässer und Wälder,
Hussahojoh!
Schwing durch die Nacht ich mich, flügelfroh singend,
Hussahojoh!
Tannen zerknick ich wie dürres Schilf,
Äcker zerwühl ich wie Haufen Sands,
Fangeball spiel ich mit Felsgestein
Hussahojoh!

Auslösch ich die Lichter, anfach ich die Flammen,
Mit Wolken umball ich die blinkenden Sterne,
Gebirge von Wogen aufthürm ich im Meere,
Zu schlingenden Schlünden hinblas ich die Schiffe,
Hussah!

Dann spiel ich mit treibenden Trümmern gelinde,
Und, müde, werd ich zum säuselnden Winde,
Und singe wie Wiegenlied leis und weich.
Ich küsse die blinkenden Blüten am Baume,
Ich tändle am wogenden Halmackersaume
Und glätte die Wiesen sammetgleich.

Das ist meine Kraft, die ich löse und binde;
Krieg kreisch ich im Sturme, - im schaukelnden Winde
Bin ich ein stillfroher Friedereich.
Paul Heyse

Stille nach dem Sturm

 Ach, den Zauber dieser Stille
Nach des Ungewitters Graus,
Dieses Friedens Segensfülle –
Keine Lippe spricht sie aus!

Jugendfrische reine Lüfte
Hauchen überm See heran,
Und es füllt ein süß Gedüfte
Rebenhald' und Wiesenplan.

Nur am Weg die jungen Blüten,
Die der Sturm vom Baume riss
Mahnen an des Wetters Wüten
In der nächt'gen Finsternis.

Ach, sie blühten wohl vergebens,
Da kein Sommer mehr sie reift.
Aber wenn der Sturm des Lebens
In die vollen Zweige greift,

Und der Seele nach der schwülen
Leidenschaft der Friede kehrt,
Ist, genesen sich zu fühlen,

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