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2013-09-11

Sturmgedichte deutscher Dichter (10)






Conrad Ferdinand Meyer

In einer Sturmnacht

Es fährt der Wind gewaltig durch die Nacht,
In seine gellen Pfeifen bläst der Föhn,
Prophetisch kämpft am Himmel eine Schlacht
Und überschreit ein wimmernd Sterbgestöhn.

Was jetzt dämonenhaft in Lüften zieht,
Eh das Jahrhundert schießt, erfüllt's die Zeit –
In Sturmespausen klingt das Friedelied
Aus einer fernen, fernen Seligkeit.

Die Ampel, die in leichten Ketten hangt,
Hellt meiner Kammer weite Dämmerung,
Und wann die Decke bebt, die Diele bangt,
Bewegt sie sich gemach in sachtem Schwung.

Mir redet diese Flamme wunderbar
Von einer windbewegten Ampel Licht,
Die einst geglommen für ein nächtlich Paar,
Ein greises und ein göttlich Angesicht

Es sprach der Friedestifter, den du weißt,
In einer solchen wilden Nacht wie heut:
Hörst, Nikodeme, du den Schöpfer Geist,
Der mächtig weht und seine Welt erneut?
Hermann von Lingg

 Wütend jagen Sturm und Schlossen
Durch der Berge Tannennacht,
Mühsam mit den müden Rossen
Zieht durchs Tal ein Wagen sacht.

Mit den Nebelwolken ringend
Taucht der blasse Mond hervor,
Und ein Posthorn, lustig klingend
Tönet aus der Schlucht empor.

Blase nur die schönsten Stücke!
Morgen, guter Postillon,
Hab' ich mit dem Tagesblicke
Meiner Liebsten Briefe schon!

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