> Gedichte und Zitate für alle: Sturmgedichte deutscher Dichter (Ritter, Dehmel) (17)

2013-09-21

Sturmgedichte deutscher Dichter (Ritter, Dehmel) (17)






Anna Ritter

Ich will den Sturm

 Ich will den Sturm, der mit Riesenfäusten
 Vom Boden der Alltäglichkeit mich reißt
 Und mich hinauf in jene Höhen schleudert,
 Wo erst das Leben wahrhaft Leben heißt.

Ich will den Sturm, der mit gewaltigem Atem
 Zur lichten Glut die stillen Funken schürt
 Und alle Kräfte dieser Brust entfesselnd
 Zum Siege oder zur Vernichtung führt.

 Laß mich nicht sterben Gott, eh' meine Seele
Ein einzig Mal in Siegeslust gebebt, gebebt,
 Ich kann nicht ruhig in der Erde schlafen,
 Eh' ich nicht einmal, nicht einmal ganz gelebt.
Anna Ritter

Sturmes Weckruf

Du, dem ich mein jauchzend Lied
Heut gesungen hab –
Brause einst, du wilder Sturm,
Über meinem Grabe!

Mächtiger, als Menschenwort
Und der Klang der Glocken,
Wird dein stolzer Königsruf
Meine Seelen locken.

Trug ich nach der trägen Ruh
Nimmer doch verlangen –
Aus der steinbedeckten Gruft,
Drin sie mich gefangen,

Ringt mein Geist sich jubelnd los,
Um, von dir getragen,
Seiner Sehnsucht letzten Flug
Nach dem Licht zu wagen!
Richard Dehmel

Der Sturm

Der Sturm ging noch die ganze Nacht,
ganz das die Nacht dem Abend glich.
Ich bin fortwährend aufgewacht:
wie war der Abend schauerlich!
Uns schnitt der Ton bis unters Herz;
dann haben wir noch mehr gelacht -
Du, dein Mann, und ich.

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